Hessischer Rundfunk will an Regionalprogramm sparen

Täglich schalten 930 000 hr4-Hörer ihr Radio ein: Im Programm der Welle des Hessischen Rundfunks soll es bald Einschnitte geben. Foto: Lothar Koch

Kassel. Der Hessische Rundfunk muss drastisch sparen, das werden bald auch die Hörer von hr4 merken. Sie werden sich auf eine neue Programmstruktur in der Regionalberichterstattung einstellen müssen, da auch in den Regionalstudios Gießen, Darmstadt und Fulda strukturell gespart werden müsse.

Rainer Götze

Nach Verlusten von 26 Millionen bei 466 Millionen Euro Einnahmen im Jahr 2010 drohen laut hr-Sprecher Tobias Heuser weitere Verluste.

Voraussichtlich ab Mai sollen die bisherigen beiden knapp einstündigen Magazinsendungen aus den drei Regionalfenstern Nord/Osthessen, Mittelhessen und Rhein-Main durch kompakte regionale Informationsblöcke ersetzt werden. hr4-Programmchef Rainer Götze bestätigte unserer Zeitung gestern auf Anfrage, dass der vor allem auf ältere Hörer ausgerichtete Sender in diese Richtung diskutiere. Entscheidungen sollen laut hr Mitte April fallen. Götze wies darauf hin, dass hr4 der einzige Sender sei, der noch mit gesplitteten Regionalfenstern – regional begrenzt empfangbare Beiträge – im Magazinformat arbeite. „Wir wollen jetzt den Weg gehen, den andere schon mit Erfolg gegangen sind“, so Götze.

Kompakte Informationen bedeuteten keineswegs, dass die Regionalberichterstattung gekürzt werde, die Informationen würden lediglich zusammengezogen. Für längere Formate wie Features und Reportagen aus den Regionen stehe im Übrigen das hessenweite hr-4-Programm zur Verfügung: „Warum sollen wir eine gute Reportage aus einer der drei Regionen nur dort ausstrahlen? Wir können sie auch allen hr4-Hörern anbieten.“

Strukturelle Einsparungen ergeben sich laut Götze, weil mittelfristig weniger technische Mitarbeiter erforderlich seien. Die meisten Arbeiten könnten die Redakteure dank neuer Technik im Studio selbst verrichten. Dies habe zur Folge, dass die drei bisher durchaus großräumigen Regionalstudios mit weniger Fläche auskämen als bisher: „Alle drei Studios bleiben jedoch erhalten“, betonte Götze.

Natürlich wissen die Verantwortlichen beim Sender, dass bei den Mitarbeitern Unruhe herrscht. Götze sagte, dazu gebe es jedoch keinen Anlass. „Eine Handvoll Mitarbeiter“ müsse mit Honorarkürzungen rechnen, es werde aber mit allen Gespräche geben. Für die Techniker ändere sich in den nächsten eineinhalb Jahren noch gar nichts, etliche gingen zudem in Vorruhestand.

Allerdings müssen einige der „Handvoll“ Betroffener möglicherweise mit starken Einschnitten rechnen: So kursieren Berichte über freie hr-Mitarbeiter, deren Gehalt für das laufende Jahr halbiert wurde. Zudem wurden Befürchtungen von Redakteuren laut, dass die Hintergrundberichterstattung unter den Kürzungen leiden könne. Aus diesem Grund sollen sich laut dem Branchenmagazin Radioszene mehrere Mitarbeiter in einer Erklärung an hr-Hörfunkchef Heinz Sommer gewandt haben, um vor einer „oberflächlichen und sensationsorientierten Berichterstattung in der Fläche“ zu warnen.

Quelle: HNA

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