Witwe klagt auf Schadensersatz - Güteverhandlung gescheitert

Keine Einigung im Stolzenbach-Verfahren

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Großes Medieninteresse: Elke Hergenröder verlor ihren Mann beim Grubenunglück Stolzenbach.

Kassel. Die Güteverhandlung im ersten Gerichtsverfahren über das Grubenunglück in Stolzenbach ist am Mittwoch vor dem Kasseler Landgericht gescheitert. Die 55-jährige Elke Hergenröder aus Borken, Witwe eines tödlich verunglückten Bergmannes, hat den damaligen Bergwerksdirektor und die Eon-Kraftwerke GmbH auf 6000 Euro Schadensersatz verklagt.

Seine Mandantin leide seit dem Tod ihres Mannes am 1. Juni 1988 unter posttraumatischen Belastungsstörungen, erklärte ihr Kasseler Anwalt Sven Schoeller.

In dem Verfahren vor der sechsten Zivilkammer gehe es in erster Linie nicht um das Geld für die Witwe, sondern um die Feststellung, wer die Verantwortung für das Grubenunglück zu tragen habe, bei dem 51 Männer starben, sagte Schoeller.

Die Gefahr, dass der Braunkohlenstaub im Borkener Revier explodieren könne, soll der Grubenleitung und den Bergbaubehörden mehr als 20 Jahre vor dem Unglück bekannt gewesen sein. Die Klägerin beruft sich auf ein Gutachten, auf das Autoren des Hessischen Rundfunks bei Recherchen im Jahr 2008 gestoßen waren.

Elke Hergenröder vertritt die Auffassung, dass sich die Bergwerksleitung der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat. Die Ermittlungen nach dem Unglück wurden nach 16 Monaten von der Kasseler Staatsanwaltschaft eingestellt.

Anwalt Lothar Reuber, der Eon und den Bergwerksdirektor vertritt, erklärte indes, dass es heute keine neuen Erkenntnisse gebe. Alles, was heute bekannt ist, sei auch schon 1988 bekannt gewesen. Er vertritt daher die Auffassung, dass die Angelegenheit verjährt sei. Der Klägerseite gehe es nur darum, einen Zivilprozess dafür zu instrumentalisieren, nachträglich einen Schuldigen zu finden. Die sechste Zivilkammer muss nun über die Verjährungsfrage entscheiden. Ein Verkündungstermin findet am 18. August statt.

Mehr zum Prozess lesen Sie in der Donnerstagausgabe der HNA.

Grundlage für das Verfahren sind Recherchen der hr-Autoren Oliver Schmid und Nick Pietzonka. Der hr sendet heute um 22.45 Uhr eine Dokumentation.

Quelle: HNA

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