Heute Blutmond! Warum der Mond rot wird

Kassel. Roter Mond über Europa: Am Mittwoch kommt es zwischen 20.30 Uhr und Mitternacht zu einer besonders langen Mondfinsternis am Sternenhimmel. Auch in Kassel kann man das Spektakel beobachten.

Den Mond in Kassel beobachten

Nach Sonnenuntergang kann man heute am Himmel eine totale Mondfinsternis bewundern. Der Astronomische Arbeitskreis lädt von 21 bis 23 Uhr zur öffentlichen Beobachtung An die schöne Aussicht neben der documenta-Halle ein. Die Museumslandschaft Hessen Kassel baut vor der Orangerie Teleskope auf. Die totale Mondfinsternis tritt gegen 21.30 Uhr ein.

Hobby-Astronomen fiebern dem Abend vom 15. Juni entgegen. Denn wenn der Mond am Mittwoch aufgeht, wird er nicht in seinem gewohnten Licht erscheinen, sondern rot leuchten. 

Grund ist die längste Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren. Deren zweite Hälfte wird von ganz Deutschland aus zu sehen sein - sofern das Wetter mitspielt. Zwischen Mondaufgang und Mitternacht können Beobachter das rostrot schimmernde Himmelsphänomen am Südosthorizont verfolgen.

So entsteht eine Mondfinsternis

So entsteht eine Mondfinsternis

Wie kommt es zu dem spektakulären Himmelsphänomen? Rund alle 29 Tage umrundet der Mond unseren Heimatplaneten. Wer den Trabanten beobachtet, könnte den Eindruck bekommen, dass er jeden Tag anders aussieht. Doch tatsächlich ist die Form unseres Trabanten von der Stellung von Sonne, Mond und Erde zueinander abhängig.

Blutmond über Deutschland 

Die Folge sind verschiedene Mondphasen wie der Vollmond und Neumond. Beim Vollmond steht der Trabant der Sonne direkt gegenüber. Zweimal im Jahr ergibt sich dabei eine ungewöhnliche Konstellation: Dann schiebt sich die Erde genau zwischen Sonne und Mond, die drei Himmelskörper stehen also in einer Linie. Wandert unser Trabant genau durch den zentralen Schatten, den die Erde wirft, kommt es zu einer totalen Mondfinsternis. Der Kernschatten ist der Bereich, in dem unser Planet das Licht der Sonne fast komplett abschirmt. 

Der Begriff Mondfinsternis ist dabei allerdings irreführend. Denn unser Trabant ist die gesamte Zeit über sichtbar. Der Grund: Die Erdatmosphäre bricht langwelliges rotes Licht in den zentralen Schatten der Erde hinein. Es handelt sich um das gleiche Phänomen, das beim Auf- und Untergang der Sonne auf der Erde zu beobachten ist.

Längste Mondfinsternis seit zehn Jahren

Die Mondfinsternis am heutigen Abend ist die längste seit fast elf Jahren, sagt der Stuttgarter Astronom Hans-Ulrich Keller. “Alles in allem, also mit dem Durchlaufen von Kern- und Halbschatten, dauert sie vier Stunden und vierzig Minuten.“

Allerdings lässt sich nur der zweite Teil der Finsternis in Deutschland beobachten. Denn bereits um 20.23 Uhr beginnt der Mond, sich in den Kernschatten der Erde zu schieben. Davon ist in Deutschland noch nichts zu sehen, um diese Uhrzeit ist der Mond noch nicht aufgegangen. Erst nach 21 Uhr erscheint der Erdtrabant tief am Südosthorizont. An den meisten Orten ist er dann bereits vollständig verfinstert, also bereits vollständig in den zentralen Schatten der Erde eingetreten. Die sogenannte Totalität beginnt um 21.22 Uhr und dauert bis 23.03 Uhr. Um 0.03 Uhr ist der Zauber vorbei, der Mond hat den Kernschatten wieder verlassen.

Gute Chancen auf Wolkenlücken 

In dieser Länge werde bis 2015 keine weitere totale Mondfinsternis von Deutschland aus zu sehen sein, sagte Monika Staesche, Leiterin des Planetariums am Insulaner in Berlin. Zwar verfinstere sich der Mond zwei- bis dreimal pro Jahr, aber so gut sichtbar wie am Mittwoch sei das Phänomen nur selten. “Wer die Möglichkeit hat, sollte sich das also anschauen.“ Der Deutsche Wetterdienst sieht vor allem für den Süden und Osten Deutschlands gute Chancen auf Wolkenlücken am Himmel. “Es werden am Mittwochabend noch ein paar Wolkenfelder herumdriften, aber im Süden, Osten und auch in der Mitte Deutschlands könnten die transparent oder aufgelockert sein, so dass der Mond zumindest zeitweise zu sehen ist“, sagte der Meteorologe Olaf Pels Leusden vom Deutschen Wetterdienst. Im Nordwesten sei die Wahrscheinlichkeit allerdings hoch, dass Wolken den Mond verdeckten.

Auch in anderen Ländern ist der Hingucker am Abendhimmel zu bestaunen. In Europa haben Hobbyastronomen an der türkischen Riviera die beste Sicht - dort steht der Mond am höchsten. Nordamerika und alle Länder östlich von Indien bekämen dagegen nichts von der Finsternis mit, erläuterte Planetariumschefin Staesche.

sr/dpa

Quelle: HNA

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