Zentrale Bußgeldstelle verhängte 970.000 Strafen wegen zu schnellen Fahrens

Zentrale Bußgeldstelle: Immer mehr Raser auf den Straßen unterwegs

Kassel. Trotz hoher Bußgelder und gestiegener Benzinpreise rasen die Autofahrer wie noch nie. Die Zentrale Bußgeldstelle des Landes Hessen beim Kasseler Regierungspräsidium (RP) hat alle Hände voll zu tun.

2010 wurden 1,4 Millionen Anzeigen bearbeitet. Die Rekordmarke liegt damit um knapp 200 000 über der aus dem Jahr 2009.

Zu schnelles Fahren führt dabei die Statistik der Bußgeldstelle an. 970 000 Mal wurden Geschwindigkeitsüberschreitungen angezeigt - 190 000 mehr als im Vorjahr.

Zwar werde nicht mehr als sonst kontrolliert, aber die Messgeräte arbeiten immer genauer. Gabriele Dombois, Chefin der Bußgeldstelle: „Man kann nur messen, was auch wirklich auf den Straßen passiert“.

Rekordverdächtig sind auch die Einnahmen der Bußgeldstelle: 66,2 Millionen Euro. Im Jahr 2009 waren es 54,2 Millionen. Das Geld fließt in den hessischen Landeshaushalt. Die Höhe der Bußgelder schrecke offenbar nur wenige ab, heißt es im Regierungspräsidium. Nur vor einem Fahrverbot hätten die meisten Verkehrssünder Angst.

Alkohol und Drogen im Straßenverkehr spielen ebenfalls eine immer größere Rolle. Die Zahl dieser Delikte stieg von 3700 auf 4300.

Halte- und Parkverstöße werden normalerweise von den Städten und Kommuen geahndet und mit einem Verwarngeld belegt. Wird nicht rechtzeitig zahlt, kommt die Bußgeldstelle ins Spiel. 193 000 Anzeigen wegen Halte- und Parkverstößen gab es im vergangenen Jahr.

27 700 Kraftfahrer mussten 2010 ihren Führerschein beim Regierungspräsidium abgeben, weil sie ihr Konto in der Flensburger Verkehrssünderkartei überzogen hatten oder sich spektakuläre Einzeldelikte leisteten.

Die Bußgeldstelle plant einige Neuerungen. So sollen sich bald geblitzte Verkehrssünder über ein Passwort ihr Foto auf einem Internetportal ansehen können. Verstöße bis 35 Euro sollen per Internet mit EC- oder Kreditkarte direkt bezahlt werden können.

Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke sagte, es ärgere ihn, wenn die Arbeit der Bußgeldstelle als Abzocke dargestellt werde. Es gebe eben auch im Straßenverkehr Regeln, an die man sich halten müsse.

Wenn Sünder witzig werden

Auszüge aus Briefen an die Bußgeldstelle beim Regierungspräsidium Kassel:

• „Außerdem bin ich vor meinem ersten Unfall und nach meinem letzten unfallfrei gefahren.“

• „Die Polizisten, die den Unfall aufnahmen, bekamen von der Braut alles gezeigt, was sie sehen wollten.“

• „Prallte gegen die Zaunmauer und wurde unbewusst. Aus war es mit meiner Gesinnung.“

• „Das ist mir unbewusst. So wie ich mir erinnern kann, habe ich mir den Verkehr angepasst.“

• „Ich habe nie Fahrerflucht begangen. Im Gegenteil, ich musste immer weggetragen werden.“

• „Das vorausfahrende Fahrzeug bremste korrupt ab.“ (jum)

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Quelle: HNA

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