Stadt Wiesbaden und islamische Vereine besprechen Probleme auf Augenhöhe

Integration: Mit Vereinbarung geht’s leichter

Ohne Minarett: Kürzlich wurde die Omar-Ibdul-Khattab-Moschee in Wiesbaden eröffnet. Die Gemeinde sieht sich mitten in der Gesellschaft. Mit dabei: OB Helmut Müller (4.v.r.) Foto:  Paul Müller

Wiesbaden. Anfangs war Jeanine Rudolph skeptisch. Doch heute, sechs Jahre nach dem Stadtverordnetenbeschluss und drei Jahre nach Inkrafttreten der ersten Integrationsvereinbarung einer Stadt mit ihren muslimischen Gemeinden, gehört die Leiterin der Integrationsabteilung im Rathaus zu den Verfechterinnen des siebenseitigen Papiers.

„Das Wichtigste waren die Diskussionen zu Beginn. Es ist in Wiesbaden noch nie so intensiv und offen über Integration gesprochen worden wie in dieser Phase.“

Die muslimischen Gemeinden waren zunächst misstrauisch, auch heute machen noch nicht alle mit. Doch je deutlicher wurde, dass die Stadt Wiesbaden als Partner mit ihnen verhandeln wollte, desto intensiver wurde der Dialog. Neun Vereine schlossen sich damals zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, um ihre Anliegen zu vertreten. Ihr Sprecher Said Nasri vom Islamischen Kulturverein im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim ist heute sehr zufrieden: „Es ist eine ganz andere Struktur entstanden, wir sprechen auf Augenhöhe und schaffen es so, viele Probleme zu lösen, etwa in den Schulen oder auch beim Moscheebau.“

Aufgabe der Vereine sei es aber nicht nur, gegenüber der Stadt aufzutreten, „wir müssen auch unseren Leuten sagen, was geht und was nicht geht“. Zu betonen, dass hierzulande die Scharia nicht gilt, findet Nasri allerdings höchst überflüssig: „Ich kenne keinen, der das anders sieht.“

Auch Abdül Akpinar, Sprecher einer türkischen Gemeinde, sieht die Vereinbarung als „gefestigtes Fundament“ für gemeinsame Integrationsprojekte. Seine Gemeinde hatte die Vereinbarung erst später unterschrieben, als junge Leute dort für mehr Öffnung nach außen eintraten.

Auf Minarett verzichtet

Auslöser für die Vereinbarung waren Probleme mit dem Moscheebau, wie sie vielerorts vorkommen. Heute, so Rudolph, beginne man rechtzeitig, darüber zu reden. Die Partner in den Gemeinden reagieren ihrerseits: die neue Omar-Ibdul-Khattab-Gemeinde in Biebrich etwa hat mit Rücksicht auf die Anwohner bewusst auf ein Minarett verzichtet. Ohne die Vereinbarung“, so Nasri, „würde vieles hier nicht funktionieren“.

Positiv wirkte sich das Papier auch aus, als Gemeinden fundamentalistische Wanderprediger einladen wollten. „Wir haben klar gesagt, dass das gegen die Vereinbarung verstößt“, so Rudolph. Seitdem sind die Türen der Moscheen für diese Leute geschlossen. Ihr sonstiger Zulauf offenbare aber ein Problem: „Die leben hier, kennen die Probleme der Jugendlichen und sprechen im Gegensatz zu vielen Imamen Deutsch, das nutzen sie aus.“

Jeanine Rudolph, die auch aus anderen Städten Anfragen erhält, warnt jedoch davor zu glauben, man könne die Vereinbarung einfach übernehmen: „Bei uns war der Weg dorthin schon ein Teil des Erfolgs, den Weg muss jede Stadt deshalb für sich gehen.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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