Interview mit dem ADAC-Experten

Um Staus zu vermeiden: Nicht nur auf das Navi hören 

Viele Fahrer verlassen sich vor Baustellen nur auf ihre Navis und nicht auf die Umleitungsbeschilderungen. Einige Städte fordern auf Plakaten, die Geräte auszuschalten. Dazu ein Interview mit dem ADAC-Experten Christoph Hecht.

Einige Städte haben vor Baustellen Schilder aufgestellt mit der Aufschrift „Navi aus - den beschilderten Umleitungsstrecken folgen“. Damit sollen Staus vermieden werden. Halten Sie das für sinnvoll? 

Christoph Hecht: Es ist vor allem ein Zeichen der Hilflosigkeit, weil die Verkehrsbehörden oft Autofahrer gar nicht mehr anders erreichen können. Informationen wie geänderte Routenführungen werden nicht automatisch in jedes Navi übernommen.

Was ist zu tun, wenn alle Fahrer den Schildern folgen und die Umleitungsstrecken dadurch auch überlastet sind? 

Hecht: Die Behörden richten offizielle Umleitungen ein, wenn eine Strecke komplett gesperrt werden muss. Dazu wird die am besten geeignete Alternativroute oftmals noch durch weitere Maßnahmen, wie Parkverbote, ertüchtigt. In der Regel findet man auf eigene Faust - auch mit Navi - keine bessere Route. Auch bei Überlastungen sollte man der Umleitungsbeschilderung folgen.

Auf der Autobahn fordern Navis oft schon bei kleinen Unregelmäßigkeiten dazu auf, die Schnellstraße zu verlassen und Umleitungen zu fahren. Halten Sie das für richtig? 

Hecht: Viele Navis erhalten zwar eine Information, dass sich ein Stau auf der Autobahn gebildet hat, sind aber blind für die Verkehrslage auf den Ausweichstrecken. Oft empfehlen sie Alternativrouten, die ebenfalls überlastet sind. Wir raten, nur bei Vollsperrungen auf eine Ausweichroute zu gehen. Wenn der Stau nur kurz ist, kommt man auf einer Ausweichstrecke oftmals nicht schneller voran. Man hat zwar das Gefühl, in Bewegung zu sein, statt im Stau zu stehen, aber zeitlich rechnet sich das eher selten.

Gibt es Fälle, bei denen Fahrer den Navis blind gehorchten und in die Irre geleitet wurden? 

Hecht: Es gab früher gravierende Probleme mit Lastwagen. Diese hatten auf Pkw ausgelegte Navis, die bei der Routenplanung nicht die Abmessungen des Lkw berücksichtigten. Diese gerieten dadurch oft in zu enge Ortsdurchfahrten oder auf nicht geeignete Straßen. Das hat sich mittlerweile entschärft, weil heute spezielle Lkw-Navis benutzt werden. Diese erkennen auch Höhen- oder Breiteneinschränkungen auf bestimmten Strecken, die für Pkw nicht relevant sind, für Lkw aber durchaus.

Empfehlen Sie, auch im Zeitalter der Navis noch die Landkarte im Auto zu haben? 

Hecht: Es schadet sicher nicht, mal eine Straßenkarte mit großem Maßstab auszubreiten und sich über die geplante Strecke zu orientieren. Viele Leute haben heute überhaupt keine Vorstellung mehr davon, wohin sie das Navi eigentlich führt. Das kann im dümmsten Fall dazu führen, dass man im Navi einen falschen Ort gleichen Namens eingibt. Deshalb sollte man zumindest eine grobe Vorstellung haben, in welche Richtung die Reise geht. Das sieht man an den kleinen Navischirmen nicht. Aber es gibt ja auch noch Beschilderungen an den Straßen und Karten gibt es an jeder Tankstelle.

Zur Person:  Christoph Hecht (46) ist Fachreferent für Verkehrssicherheit und Straßenbewertung beim ADAC. Er ist verheiratet und lebt in München.

Quelle: HNA

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