Land will Lehrer trotz Absage aus Berlin an Unis in Marburg und Gießen ausbilden

Islamzentrum auch ohne Bund

Wackelt noch: Ausbildung für Islamlehrer in Mittelhessen.

Marburg. Das Land Hessen will trotz der Niederlage im Wettbewerb um die Bundesförderung ein Zentrum für Islamische Studien an den Universitäten von Marburg und Gießen aufbauen. Dort sollen die zukünftigen Islamlehrer Hessens ausgebildet werden. Geld vom Bund gibt es vorerst aber nicht. Bundesbildungsministerin Annette Schavan hatte sich für die Universitäten Münster, Osnabrück und Tübingen entschieden. Dagegen konnten die mittelhessischen Hochschulen mit ihrem gemeinsamen Konzept nicht überzeugen.

Inwieweit der Konkurrenzkampf mit der Universität Frankfurt dabei eine Rolle spielte, konnte die Marburger Uni-Sprecherin Susanne Igler nicht sagen: „Ob die Diskussion geschadet hat, ist ganz schwer einzuschätzen. Es sind immer inhaltliche und andere Gründe.“ Islamische Organisationen sowie Frankfurter Kommunalpolitiker hatten sich für die Goethe-Universität als Standort eingesetzt. Dort haben gestern mehr als 100 Studenten den ersten Bachelor-Studiengang Islamische Studien begonnen.

Land und Universitäten wollen nun die ausführliche Begründung des Bundesforschungsministeriums prüfen, um im Frühjahr eventuell noch einen zweiten Versuch zu starten. Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) und Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) kündigten aber zugleich an, das Zentrum aus eigener Kraft vorantreiben zu wollen: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass es das Zentrum für Islamische Studien in Hessen gibt“, sagte Ministeriumssprecher Jörg Kilian. Dazu werde es sehr schnell Gespräche mit allen beteiligten Ressorts und den betreffenden Hochschulen - auch mit der Universität Frankfurt - geben: „Aus guten Gründen favorisieren wir aber nach wie vor Marburg und Gießen“, betonte er.

Orientzentrum

Die Mittelhessen hatten gehofft, schon im Herbst kommenden Jahres ein Institut für Islamische Studien mit zunächst zwei, später sechs Professuren im Marburger Orientzentrum einrichten zu können. Begonnen werden sollte dann mit der Ausbildung für Grundschullehrer und Fortbildungen für muslimische Lehrkräfte. Für die Ausbildung von islamischen Religionslehrern seien die mittelhessischen Hochschulen mit dem Orientzentrum, dem Centrum für Nah- und Mitteloststudien, den Religionswissenschaften und der Lehrerausbildung prädestiniert, sagte Marburgs Uni-Präsidentin Katharina Krause: „Die beiden Universitäten bieten beste Voraussetzungen dafür, dass die in anderen Bundesländern gesetzten Standards nicht unterschritten werden.“ In Mittelhessen gibt es Unterstützung von islamischen Verbänden. „Es wäre super, wenn wir den Lehrstuhl dafür nach Marburg holen könnten“, sagte Bilal El-Zayat, der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Marburgs.

Marburg und Gießen waren an der Konkurrenz der Universitäten in Tübingen und Münster/Osnabrück gescheitert. Diese erhalten für ihre Zentren für islamische Theologie Geld von der Bundesregierung. Foto: dpa

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare