Hessische Hundeverordnung seit zehn Jahren umstritten - Kampfhunde müssen zum Wesenstest

10 Jahre Kampfhundeverordnung: „Rassen nicht vorverurteilen“

Kassel. Es geschah im Sommer 2000 in Hamburg: Ein sechsjähriger Junge wird auf einem Sportplatz von einem Pitbull und einem Staffordshire-Terrier angefallen, gebissen und dabei so schwer verletzt, dass er kurz darauf stirbt.

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Der tragische Fall des kleinen Volkan machte bundesweit Schlagzeilen und veranlasste auch den hessischen Innenminister Volker Bouffier (CDU), im Schnellschuss eine Kampfhundeverordnung zu erlassen.

Diese „Gefahrenbabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden“ - so der offizielle Titel - besteht nun zehn Jahre und ist seitdem umstritten.

 In ihr werden Hunderassen aufgeführt, von denen vermutet wird, dass sie gefährlich sein könnten. Die Liste der Hunde wurde 2009 geändert (siehe Hintergrund).

Zehnfache Hundesteuer

 Wer einen so genannten Kampfhund hält, muss oft bis zum Zehnfachen der normalen Hundesteuer zahlen. Über die genaue Summe entscheiden die Kommunen. Der Besitzer muss mindestens 18 Jahre alt sein und nachweisen können, dass er genügend Sachkunde hat, um ein solches Tier zu halten.

Außerdem muss der Hund eine Wesensprüfung ablegen und einen elektronischen Chip tragen, mit dem er eindeutig zu identifizieren ist. Das Tier muss im Abstand von Jahren zum Test.

Alltag nachgestellt

 Dabei werden unter anderem Alltagssituationen nachgestellt und das Verhalten des Hundes überprüft. So rennt ein Fremder auf den Hund zu oder geht dicht an ihm vorbei. Besteht der Hund den Test nicht, kann er wiederholt werden. Fällt das Tier noch einmal durch, wird es in der Regel eingeschläfert.

Das geschieht jedoch nach Angaben von Thorsten Neels, Pressesprecher im Innenministerium, nur sehr selten. In den zehn Jahren seit Bestehen der Verordnung seien 20 000 Wesensprüfungen vorgenommen worden, nur 2,1 Prozent der Tiere hätten den Test nicht bestanden.

Während das Land mit der Hundeverordnung zufrieden ist, haben Kritiker Probleme damit, dass ganze Rassen über einen Kamm geschoren werden. Die Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen, Dr. Madeleine Martin, meint, die Gefährlichkeit eines Hundes sei nicht generell an einer Rasse festzumachen. Wenn ein Hund gefährlich werde, sei dafür allein der Mensch verantwortlich.

Martin hält einen Hundeführerschein für die Besitzer für sinnvoller. Die Tierschutzbeauftragte fordert, die Rasseliste aus der Verordnung zu streichen. „Sozial verträglich“ Ähnlich sieht es der Verband der Hundeerzieher. J

eder junge Hund, egal welcher Rasse, sei zunächst sozial verträglich, meint Vorsitzender Rainer Schröder. Später komme es darauf an, wie das Tier geprägt werde. Daher sei die Vorverurteilung ganzer Rassen nicht sinnvoll. Auch der Verband fordert einen Hundeführerschein.

 Diese Prüfung gebe es nur auf freiwilliger Basis (siehe Stichwort), gesetzlich gezwungen werden könne in Deutschland niemand.

Von Peter Klebe

Hintergrund: Seit 2009 noch zehn Rassen auf der Liste

Die hessische Kampfhundeverordnung wurde im Januar 2009 verändert und stuft seitdem noch zehn Rassen als „vermutlich gefährlich“ ein.

Hinzugekommen ist der Rottweiler. Außerdem gelten als Kampfhunde Pitbull-Terrier, Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier, American Bulldog, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Kangal sowie Kaukasischer Owtscharka. Aus der Liste genommen wurden Mastiff und Mastino Napoletano. Aus diesen beiden Rassen gibt es nur sehr wenige Hunde in Hessen.

Als gefährlich werden außerdem Hunde eingestuft, die einen Menschen gebissen oder bedrohlich angesprungen haben und, so heißt es in der Gefahrenabwehrverordnung weiter, „sich so verhalten, dass sie Menschen oder Tiere ohne begründeten Anlass beißen könnten“.

Auch Hunde, die andere Tiere hetzen oder reißen, gelten als Gefahr. (kle)

Stichwort: Hundeführerschein

Der Verband der Hundeerzieher hat einen Hundeführerschein entwickelt. Tierbesitzer sollen lernen, den Hund jederzeit sicher unter Kontrolle zu haben.

 Bei der Prüfung müssen sie dies in Alltagssituationen unter Beweis stellen. Die Prüfer beobachten dabei Hund und Halter genau. Im theoretischen Teil geht es um gesetzliche Regelungen, Lernverhalten und Kommunikation von Hunden, außerdem um Gesundheit und Aufzucht der Tiere. Die Prüfung dauert rund zweieinhalb Stunden.

(kle)

Mehr Infos unter www.bhv-net.de

Quelle: HNA

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