Aus für Jennifer Braun -­ Fans in Eltville enttäuscht

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Die Kandidatin Jennifer Braun im Finale der Castingshow für den deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest in Köln.

„Hast du die Nummer aufgeschrieben?“ kreischt ein Mädchen schrill, „wo ist die Nummer?“ Wild tippt sie auf ihr Handy ein. „Ich komme einfach nicht durch!“ Sie kämpft mit den Tränen. Mit massenweise Telefonanrufen und SMS-Nachrichten stimmten Fans am Freitag beim Castingfinale von „Unser Star für Oslo“ für Jennifer Braun.

Doch genützt hat es am Ende alles nichts. Für die 18- jährige Schülerin aus dem Rheingau ist der Traum vom Eurovision Song Contest geplatzt. Sie unterlag ihrer gleichaltrigen Konkurrentin Lena Meyer-Landrut aus Hannover.

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Die Enttäuschung in Jennys Heimatstadt Eltville ist groß. Über 900 Menschen haben bei der „Final-Voting-Party“ vor einer Großleinwand live mitgefiebert. Der derzeit berühmtesten Tochter der Stadt drückten viele die Daumen. „Jede Sendung habe ich zehnmal angerufen“, berichtet Ellen Merder (52), „Jenny hätte es echt verdient.“

Die Fans glauben weiter an sie. „Jenny ist aufgeweckt, sie rockt und bringt immer gute Laune mit“, findet Frank (19). Attestiert hatten ihr das auch die Juroren der Fernsehsendung: „Du hast abgeledert, was das Zeug hält“, urteilte Entertainer Stefan Raab nach Jennys Auftritt mit dem Lied „I care for you“. Auch Stefanie Kloß, Frontfrau der Band Silbermond, stimmte zu: „Das war großes Kino.“

Umso größer die Niedergeschlagenheit bei ihren Fans zu Hause. „Wir sind ein bisschen enttäuscht, aber auch stolz“, sagte Eltvilles Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU) in der brechend vollen Turnhalle. „Ehrlich gesagt war Jenny besser“, findet Vanessa (22), „Lena redet eher, als dass sie singt“. Stolz prangt auf ihrem T-Shirt das Motto des Abends: „Jenny for Germany“. Doch neben ihr leere Blicke, feuchte Augen und reglose Mienen.

Die Stadt am Rhein hat in den letzten Wochen viel Trubel erlebt: Seit Tagen standen die Telefone der Stadtverwaltung nicht mehr still. Fans boten sich als PR-Manager oder Assistenten an. Jetzt soll wieder Ruhe einkehren. Sobald die junge Sängerin zurück ist, will Bürgermeister Kunkel sie in der stadteigenen Burg willkommen heißen. Er ist sich sicher: Für die 18- Jährige geht die Karriere auch ohne ein Ticket nach Norwegen weiter.

Mit dabei war auch Jennys beste Freundin Nathy (21). Sie ist absichtlich nicht ins Fernsehstudio gefahren: „Jenny braucht mich hier mehr als in Köln.“ Mit sechs Handys gleichzeitig stimmte sie ab ­- doch vergeblich. Dass Jenny überhaupt so weit kommt, hätte sie nicht gedacht. Betrübt blickt Nathy auf die Leinwand: „Es ist schade. Aber lieber einen guten zweiten Platz als später beim Grand Prix einen schlechten 20.“

Sie freut sich, Jenny bald um den Hals fallen zu dürfen. Bei einem ausgiebigen Mädchenabend hätten sie nun vieles zu bequatschen.

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Ende Mai wird Siegerin Lena mit dem Pop-Song „Satellite“ beim Eurovision Song Contest antreten. Insgesamt hatten sich mehr als 4500 Menschen in Deutschland um das Ticket nach Oslo beworben.

Auf Jenny warten in Eltville nun ihre Freunde, Familie und Band. Noch während der Sendung resümierte sie: „Ich habe am meisten gelernt, dass man sich selbst treu sein soll, und man nie glauben soll, dass man es nicht schafft. Das Blatt kann sich schnell wenden.“

Von Julia Kilian, dpa

Quelle: HNA

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