Nachruf

Jörg Schönbohm ist tot: Karriere-Soldat mit Kasseler Wurzeln

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Starb im Alter von 81 Jahren: Jörg Schönbohm verbrachte seine Jugend in Kassel.

Der CDU-Politiker und ehemalige Brandenburger Innenminister Jörg Schönbohm starb am Freitag. Wir erinnern an einen Mann, der in Kassel-Wolfsanger aufwuchs.

Schönbohm starb an einem Herzinfarkt, er wurde 81 Jahre alt. Seine Jugend verbrachte der am 2. September 1937 geborene Schönbohm und spätere Generalleutnant des Heeres in Kassel.

In den Fünfzigerjahren kommt Jörg Schönbohm nach Kassel. Eine Stadt, die noch in weiten Teilen von der Zerstörung des Zweiten Weltkrieges gezeichnet ist. Geboren im brandenburgischen Neu Golm verlässt er mit seinen Eltern die noch junge DDR. Zu acht – Schönbohm hat fünf Geschwister – lebt die Familie im Kasseler Nordosten, auf der Hasenhecke, in einer Doppelhaushälfte.

Der junge Schönbohm hilft auf dem Bau aus, spielt Handball und ist Mitglied im Posaunenchor Kassel-Wolfsanger. Er besucht das heutige Goethegymnasium, das bis 1955 Realgymnasium Wesertor hieß. Diese Schule, vielmehr Schönbohms dortiger Klassenlehrer Hans Blasczyk, sollte noch entscheidenden Anteil an der späteren Karriere des Brandenburgers haben: einer „militärischen Bilderbuchkarriere“, wie es im August 1999 in der HNA zu lesen war.

Jörg Schönbohm sollte Lehrer werden

Der Klassensprecher Schönbohm sträubt sich gegen den Wunsch der Eltern, dass ihr Sohn Lehrer wird. Nach einiger Überzeugungsarbeit des Lehrers Blasczyk stimmt Schönbohms Vater schließlich doch einer Bundeswehrkarriere seines minderjährigen Sohnes zu. Der tritt zum 1. April 1957 als 19-jähriger Offiziersanwärter in die Bundeswehr ein. Ab diesem Zeitpunkt geht es steil bergauf für Schönbohm.

In Hamburg absolvierte er ab 1968 die Generalstabsausbildung, wird 1973 Generalstabsoffizier bei der Nato und übernimmt mit 39 Jahren das Kommando über ein Panzer-Batallion. Der Zigarillo-Raucher wird 1978 Referent unter dem damaligen Verteidigungsminister Manfred Wörner (CDU), später Chef des Bundeswehrplanungsstabes.

Nach der Wiedervereinigung muss er als Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost 3000 Offiziere der Nationalen Volksarmee der DDR in die nun gesamtdeutsche Truppe integrieren. 1992 fasst er endgültig Fuß in der Politik: Er wird Staatssekretär im Verteidigungsministerium und tritt zwei Jahre später in die CDU ein.

In Berlin wird der Freund klassischer Musik 1996 Innensenator. Dort prägt er den Begriff der „deutschen Leitkultur“ und folgt einer harten Linie bei Abschiebungen und Hausräumungen. Unter Manfred Stolpe (SPD) wird er 1999 Innenminister Brandenburgs. 2009 zerbricht die Große Koalition, Schönbohms Zeit als Minister ist vorbei.

Jörg Schönbohm hinterlässt seine Frau und drei Kinder.

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