Verbote und höhere Bußgelder geplant

Kaffeefahrten: Hessen sagt Abzockerei den Kampf an

Als Gewinnspiel getarnte Kaffeefahrt: Solche Prospekte wurden 2009 im Werra-Meißner-Kreis verteilt. Die angeblichen Gewinne entpuppen sich in der Regel als heiße Luft. Archivfoto: Bretzler

Wiesbaden. Ein Ausflug im Bus, andere nette Leuten mit dabei, dazu jede Menge Versprechungen und fette Gewinne: Sogenannten Kaffeefahrten, die für arglose Teilnehmer oft ärgerlich und teuer enden, haben Hessen und Bayern den Kampf angesagt.

Die Verbraucherministerinnen Lucia Puttrich (Hessen) und Beate Merk (Bayern) wollen ihren Länderkollegen kommende Woche einen Mix aus Verboten und deutlich höheren Bußgeldern empfehlen. Ihr Ziel ist es, „Fahrtenanbietern, die oft wehrlose Rentner schröpfen, das Handwerk zu legen“.

Rund 400 Busse sind nach Schätzungen der Länder jeden Tag zu Kaffeefahrten unterwegs. Um die Sitzreihen zu füllen, wird mit falschen Gewinnen bis zu 10 000 Euro gelockt. Mitfahrern, meist Rentnern, geht es meist darum, mal raus und unter Leute zu kommen. Den Veranstaltern geht’s um Geschäfte. Genauer gesagt um Geschäfte mit Traumrenditen: Überteuerte Topfsets, die schnell ein paar Monatsrenten kosten, sind ein Hit der Verkaufsshows, die jeder Kaffefahrer-Bus unweigerlich ansteuert.

Faule Sprüche - und was sie wirklich bedeuten

• „Alle Ehepaare erhalten einen Präsentkorb“ = Alle Paare erhalten zusammen einen Korb - den können sie teilen.

• „Sie erhalten 20 Euro für jeden mitgebrachten Kunden“ - ... wenn der was kauft. Sonst ist er ja kein Kunde.

• „Laptops gratis zur freien Auswahl“ = Auswahl ist gratis, die Laptops kosten. (wrk)

Beliebt und aufs ältere Publikum ausgerichtet sind auch Magnetfeldmatten, Massagematten oder Fußsprudelbäder: „Sie werden für hohe dreistellige oder vierstellige Euro-Beträge verkauft“, sagt Puttrichs Sprecher Thorsten Neels. „Magnetfeldmatten kauft die Branche für 30 Euro ein. Die Verkaufspreise liegen im Schnitt beim 30- bis 60-Fachen, in Einzelfällen auch beim 90-Fachen, des Einkaufspreises.“

Oft sei Kaffeefahrt-Ware minderwertig, würden Menschen von den Verkäufern unter Druck gesetzt, Dinge zu kaufen, an die sie sonst nicht mal im Traum dächten, sagen die Ministerinnen. Ihr Gegenmittel: Der Verkauf von Medizinprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln, etwa Vitaminpräparaten, soll der Kaffeefahrt-Branche ganz verboten werden. Hier sieht Hessens Verbraucherministerin nicht nur teuren, sondern „gefährlichen Hokuspokus“ am Werk. Es gebe Fälle, sagt Lucia Puttrich, bei denen die Teilnehmer dazu angeregt wurden, nicht mehr den ihnen vom Arzt verschriebenen Arzneimitteln zu vertrauen, sondern obskuren und überteuerten Wundermitteln.

Und: Wer gegen Vorschriften verstößt, soll nach Plänen Hessens und Bayerns künftig deutlich höhere Bußen bezahlen als bisher. „Bei rund 90 Prozent aller Einladungen fehlt der Hinweis, dass es sich um eine Verkaufsveranstaltung handelt.“ Macht bislang schlimmstenfalls 1000 Euro. Die tun in der Branche aber kaum weh - genauso wenig wie die maximal 2500 Euro, die fällig sind, wenn die Werber sich über Verkaufsverbote hinwegsetzen. Mit einem oder zwei Topfsets ist dieses Geld schnell wieder verdient.

NRW hat dem Vorstoß Unterstützung zugesagt. Für schärfere Gesetze sorgen könnten der Bund oder über den Bundesrat die Länder, sagt Puttrichs Sprecher Neels.

Quelle: HNA

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