Petra Wettlaufer-Pohl über den Fall Karin Wolski

Kommentar: Dem Amt geschadet

Zu beneiden ist Karin Wolski ob ihres hohen Amtes bestimmt nicht - die Vizepräsidentin des Frankfurter Verwaltungsgerichtes ist Richterin am Staatsgerichtshof. Der Druck muss gewaltig sein: Einerseits die vielen Vorwürfe zu ertragen, die im Zusammenhang mit dem Prozess gegen ihren Mann auch gegen sie erhoben werden; und andererseits Funktionen auszufüllen, bei denen jeder Bürger ein in jeder Hinsicht tadelloses Verhalten erwarten darf. Aber die 59-Jährige will es nicht anders. Sie will vermeiden, dass es aussieht, als gestehe sie Schuld ein, wenn sie zurücktritt im Staatsgerichtshof.

Sie sieht offenkundig nicht, dass es in ihrem Fall nicht nur um juristisch nachweisbare Schuld geht. Es geht um Vertrauen, das die Bürger in ihre Gerichte haben müssen. Genau dieses Vertauen ist aber inzwischen beschädigt. Wer soll denn ernsthaft glauben, dass eine gebildete, juristisch beschlagene Ehefrau überhaupt nichts mitbekommt vom merkwürdigen Finanzgebaren ihres Mannes - zumal sie selbst davon profitiert? Dass gegen sie erst gar nicht ermittelt wurde, ist schon fragwürdig genug.

Karin Wolski muss im Rechtsstaat weder sich noch ihren Mann vor Gericht belasten. Aber sie muss auch dafür sorgen, dass andere sich auch auf diesen Rechtsstaat verlassen können und nicht das Gefühl bekommen, hier werde mit zweierlei Maß gemessen. Deshalb sollte sie ihr Amt am Staatsgerichtshof niederlegen.

wet@hna.de

Quelle: HNA

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