Karnevalsprinz: "Es wird zu viel gesoffen"

Fulda. Warum wird man Karnevalsprinz? Udo Gutberlet (47) spricht im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa über Geld, Frauen und Alkohol zur Fastnacht. Der Reisebürobesitzer ist diesmal Karnevalsprinz in Fulda - beim längsten Umzug in Hessen.

Viele Auftritte, immer heiter: Kommt das noch von Herzen?

Gutberlet: Ja schon. Da ich die Fröhlichkeit nicht im Geldbeutel habe, trage ich sie auf jeden Fall im Herzen. Es ist die schönste und erlebnisreichste Reise meines Lebens. Es fällt mir nicht schwer.

Apropos Geldbeutel. Reden wir über Dinge, die sich andere nicht trauen: Was kostet der Spaß, einmal Karnevalsprinz zu sein?

Gutberlet: Reden wir lieber nicht darüber. Da gibt es Spannen, die gehen bis zum sechsstelligen Bereich. Es geht aber auch niedriger.

Man spricht von 15 000 bis 20 000 Euro, die man in Fulda so braucht.

Gutberlet: Wenn man keine Sponsoren hat, dann ist das eine Hausnummer.“

Sie haben Sponsoren?

Gutberlet: Ich kann dankbar sein, gute Freunde zu haben und viele Geschäftsleute, die mir helfen. Allein hätte ich das nicht gekonnt.

Amortisieren sich die Ausgaben irgendwie?

Gutberlet: Keine Ahnung. Muss sich so etwas amortisieren? Es ist ein Vierteljahr, das man sein Leben lang nicht vergisst. Wenn's einem später mal schlecht geht, schaut man sich die Bilder an - und es geht wieder. Ich bin Prinz ohne Hintergedanken.

Aber mit Beinamen im Titel und Hinweis aufs Geschäft. Sie haben ein Reisebüro, nennen sich „Prinz Udo Touristicus der 70. von Fulda“

Gutberlet: Das ist schon Werbung. Das haben meine Vorgänger aber genauso gemacht. Es hilft ja auch den Prinzen. Ich vertrete aber nicht meine Firma, sondern die Fuldaer Karneval-Gesellschaft.

Der Karneval strapaziert nicht nur das Konto sondern auch ihre Leber?

Gutberlet: „Viele brauchen eine gesunde Leber. Aber wir lassen den Alkohol meist weg. In der Prinzenmannschaft sind wir mittleren Alters. Das vertragen wir nicht mehr. Bier oder Sekt gibt''s aber zwei, drei. Daran kommt man nicht vorbei. Aber ich hatte noch keinen Morgen Kopfschmerzen.

Sie dürfen keine Spaßbremse sein und müssen hier und dort anstoßen.

Gutberlet: Es tut einem in der Seele weh, ein Bier für 2,90 Euro anzunippen und wegzustellen. Aber es geht nicht anders. Wenn man mit jedem trinken würde, wäre um 11.00 Uhr Schluss.

Welche Rolle spielt Alkohol zu Karneval?

Gutberlet: Alkohol spielt leider bei vielen eine große Rolle. Viele Leute vergessen: Fröhlich sein geht auch anders - nicht erst ab zwei Promille. Problematisch kann's bei Jugendlichen sein. Aber die Behörden achten, etwa bei Rosenmontagszügen, darauf. Der Alkohol darf nicht im Vordergrund stehen. Es wird generell zu viel gesoffen.

Sie haben dem Vernehmen nach vom Auftakt am 11.11.2010 bis Aschermittwoch etwa 180 Termine: Wie stehen Sie das durch?

Gutberlet: „Man braucht eine straffe Organisation und Disziplin. Wir haben am Abend bis zu acht, neun Einmärsche bei Veranstaltungen.“

Sie haben ein hübsches, junges Prinzen-Mariechen (24) an ihrer Seite. Was sagt ihre Frau dazu?

Gutberlet: Das Prinzen-Mariechen habe ich mir ausgesucht. Sie muss halt jung und hübsch sein. Es passte aber auch darüber hinaus von der ersten Minute an. Meine Frau ist selbst schon Fürstin gewesen. Sie kennt das. Unsere jeweiligen Partner sind ständig dabei. Da gibt's keine Hintergedanken. Aus dem Alter für Eifersucht sind wir raus.“

Wenig Alkohol, keine Frauengeschichten: Warum wird man denn Prinz?

Gutberlet: Ich wurde angesprochen - und war erstaunt. Mit der Fastnacht hatte ich lange wenig zu tun, ich feiere erst seit 13 Jahren mit und bin durch meine Frau dazu gekommen. Ich habe es bislang noch keine Minute bereut. (lhe)

Quelle: HNA

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