Katastrophe auf dem Frankfurter Flughafen: Die größte Notfallübung Deutschlands

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Katastrophe auf dem Frankfurter Flughafen: Die größte Notfallübung Deutschlands

Frankfurt. Die größte Notfallübung, die je in Deutschland stattgefunden hat, ist am Samstag gelungen, so der übereinstimmende Kommentar von Feuerwehr, Rettungsorganisationen, der Stadt und der Flughafenbetreiberin Fraport.

Am Samstagmorgen ging es auf der noch im Bau befindlichen Landebahn Nordwest nicht um eine normale Trainingseinheit. Vielmehr wurde nach einem angenommenen Zusammenstoß zweier Flugzeuge am Boden mit einem Riesenaufwand eine neue Technik getestet, die eine Versorgung Verletzter bei Massenunfällen optimieren soll.

Statt der üblichen Umhängekarten, die Ersthelfer in solchen Fällen handschriftlich ausfüllen müssen, bekamen die von über 500 Laien dargestellten Opfer ein Armband mit eingebautem Chip. Auf diesen gaben Ärzte und Rettungssanitäter mittels eines kleinen tragbaren Computers (PDA) den Grad der Verletzung und die wichtigsten Daten dazu samt eines Fotos ein. Diese Daten können im Krankenhaus wieder ausgelesen werden. Der große Vorteil der Technik, die bei Überlastung des Handynetzes per Satellit funktioniert: die Leitstelle kann an ihren Computern zeitgleich sehen, wie viele Verletzte welchen Grades es sind und sie kann exakt steuern, welche Krankenhäuser angefahren werden müssen. „Man weiß immer, wo sich welcher Patient befindet“, so Projektkoordinator Leo Latasch. Dies erleichtere nicht nur die angemessene Versorgung, sondern später auch die Information von Angehörigen.

Um dieses neue System zu testen, dessen Entwicklung sich das Bundesforschungsministerium drei Millionen Euro kosten lässt, waren am Samstagmorgen rund 1500 Einsatzkräfte und über 500 Verletzten-Darsteller. Letztere mussten nach dem Alarm um 10.30 Uhr zwischen verstreuten Koffern und Metallteilen auf Isomatten auf der Betonpiste ausharren, bis Ärzte oder Rettungssanitäter erschienen und sie per Bändchen und Chip klassifizierten. Normalerweise, so Frankfurts Feuerwehrchef Prof. Reinhard Ries, sei das eine regelrechte Chaosphase. Am Samstag jedoch lief alles in sehr geordneten Bahnen. Zuerst wurden die nicht oder nur leicht Verletzten vom Unfallort weggeführt, dann die Verletzten in Erstversorgungszelten behandelt.

„Bis 12 Uhr waren alle aus der Unfallstelle raus“, so Ries. „Das ist der Hammer!“ Die Experten zeigten sich überzeugt, das dieses Procedere wesentlich effektiver ist als wahllos Krankenwagen mit Verletzten loszuschicken. „Die ersten Schwerverletzten waren nach 42 Minuten weg, berichtete Latasch anschließend, „das ist unglaublich schnell“ Zumal die erste Stunde für das Überleben Schwerverletzter die entscheidende sei. Für die Fahrten der stationär zu behandelnden 270 Patienten in die 16 Frankfurter Krankenhäuser hatte die Feuerwehr Rettungskräfte aus ganz Hessen alarmiert, den weitesten Weg der in Echtzeit durchgeführten Übung hatten Fahrzeuge aus dem Schwalm-Eder-Kreis.

Nach der erfolgreichen Übung, so Helge Braun, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, soll das Projekt noch bis 2012 laufen, auch um die Erfahrungen der Frankfurter Übung einfließen zu lassen. Latasch hofft, dass die 35 Frankfurter Rettungswagen Anfang 2012 mit den Kleincomputern ausgerüstet und die Leitstelle der Feuerwehr entsprechend ausgestattet wird. Die Kosten eines Gerätes dürften bei maximal 700 Euro liegen, schätzt er, die von Bändchen und Chips nur bei 25 Cent. Probleme, die Verletztendarsteller zu finden, gab es übrigens nicht.

Im Gegenteil, aus ganz Deutschland hätten sich Menschen gemeldet. Letztlich waren bei dem für die tagesfüllenden Programm 300 Bundeswehrreservisten und über 200 Mitglieder von Hilfsorganisationen dabei. Für 80 Euro und Verpflegung – „aber wegen des Geldes“, so der 35jährige Reservist Christian Spaich aus Oberursel, „macht man das ja sowieso nicht.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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