"Keine Verspargelung der Landschaft"

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Mark Weinmeister, Staatssekretär im Hessischen Umweltministerium

Interview mit Mark Weinmeister (CDU, Guxhagen), dem Staatssekretär im Hessischen Umweltministerium.

Herr Weinmeister – Hessen will die Leistung seiner Windenergieanlagen bis 2020 verneunfachen. Jetzt also doch Verspargelung der Landschaft, wie viele CDU-Politiker im Wahlkampf 2008 noch warnten?

Mark Weinmeister: Nein. Es wird keine Verspargelung der Landschaft geben. Unser Ansatz ist vernünftig und pragmatisch: Windkraft nur dort, wo der Wind tatsächlich weht - und nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen. Wir brauchen Akzeptanz vor Ort. So etwas kann man nicht gegen die Bürgermeister und Gemeindevertreter - und nicht gegen die Bürger - durchsetzen. Es geht nur miteinander!

Wie hoch dürfen die neuen, modernen Mühlen denn werden in Nordhessen? Und vor allem: Dürfen sie auch auf bewaldete Bergeshöhen – was die einen noch als optischen Super-GAU empfinden, andere aber als optimal für die Windausbeute empfehlen?

Weinmeister: Was geschieht, wird in Nordhessen geplant, genehmigt und gebaut. Die Regionalversammlung hat eine gute Grundlage gelegt. Wir werden uns hüten, uns von Wiesbaden aus einzumischen. Das war doch der Kardinalfehler des SPD-Schattenministers Scheer, der jedem Landkreis einen Anteil seiner geplanten 3000 Windräder zuteilen wollte. So geht das aber nicht. Ich glaube, dass alle Fragen der Windkraft eine gute Antwort aus Nordhessen bekommen.

Kritiker des Energiekonzepts von Ministerin Silke Lautenschläger bemängeln, dass ein Teil der „Quote“ von 20 Prozent aus erneuerbaren Energien auch aus Windparks weit weg kommen können. Indem sich hessische Versorger mit Landesbürgschaften etwa in Anlagen auf der Nordsee einkaufen. Hat das Land da schon einen Inland/Ausland-Verteilungsschlüssel?

Weinmeister: Nein, so einen Schlüssel gibt es nicht. Und ich verstehe, ehrlich gesagt, die Kritik auch nicht. Wenn ein hessischer Versorger seine Anlagen dorthin bauen will, wo der Wind stärker weht oder die Sonne mehr scheint, dann ist das doch sinnvoll. Wenn Münchens SPD-Oberbürgermeister Ude das macht, bekommt er einen Ökopreis dafür. Warum soll es denn dann plötzlich falsch sein, wenn eine CDU-geführte Regierung in Hessen das Gleiche vor hat? Das irritiert mich, denn es ist nicht falsch, sondern vernünftig.

Wird so nicht die Wertschöpfung irgendwohin verschoben statt Jobs, Pachten und Erträge hier in Hessen anfallen zu lassen?

Weinmeister: Es ist in jedem Fall eine unternehmerische Entscheidung der Anlagenbetreiber. Wir wollen die Bürgschaftrichtlinien ändern und erstmals Erneuerbare Energien unterstützen - egal, ob vor Ort oder „außerhessisch“. Der Investor wird im Einzelfall prüfen, was sinnvoller ist. Wo etwas geschieht, ist dann eine wirtschaftliche und keine politische Frage.

Zur Person

Mark Weinmeister (42) ist Staatssekretär im hessischen Umweltministerium. Er machte Abitur in Melsungen und studierte danach auf Lehramt Deutsch, Geschichte, Pädagogik und Politik. Danach war er Lehrer in Melsungen und Gudensberg. Er ist seit 1987 in der CDU. Weinmeister ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Von Wolfgang Riek

Quelle: HNA

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