Zwei Studentinnen vermarkten Edles am Frankfurter Hauptbahnhof - im Automaten

Per Knopfdruck zur Kunst

Chance für Nachwuchsdesigner: Automat am Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: Wettlaufer-Pohl

Frankfurt. Manfred Schlottig schaut erst etwas skeptisch, dann tritt der 67-Jährige Schwalbacher doch näher: „Ist ja doch relativ viel Geld“, meint er, als er sich die Designerkunst im Kleinformat betrachtet, die man am Frankfurter Hauptbahnhof jetzt in einem Automaten ziehen kann wie andernorts Cola oder Studentenfutter. „Aber die Idee ist nicht schlecht.“

Zwischen 18 und 180 Euro kostet der Inhalt der Päckchen, die man zwischen Gleis 9 und 10 findet. Die Idee, Kunst im Automaten anzubieten, hatten zwei 24-jährige Frauen, die in München Kommunikationsdesign studieren. Nachdem ihnen bei einem Besuch in Berlin viele kleine Designerläden aufgefallen waren, bewarben sich Nicola Lieke und Luisa Jablonski (Nic&Lu) an ihrem Studienort erfolgreich um ein Gründerstipendium. Damit entwickelten sie ihren bislang einzigartigen Automaten, um jungen Designern eine Plattform zu bieten.

„Super Idee“, lobt Ralph Thoma, der gerade aus Düsseldorf ankommt. Der 33-Jährige ist im Marketing tätig: „Man kann heute nur noch mit hohem Neuigkeitswert punkten. Schade ist allerdings, dass man die Sachen nicht anfassen kann.“ Seiner Kollegin Julia Grundei (28) sind die 180 Euro für einen Holzdruck auf Japanpapier des schon bekannteren Künstlers Volker Töbel zwar zu viel; aber so ein Geschirrtuch mit Siebdruck des Mainzer Designers Dirk Modrok könnte ihr gefallen – für 12 Euro. Gut finden die beiden Profis, dass die Designer mit Fotos vorgestellt werden. Auch Evelyn Schiener aus Coburg ist angetan. Die 25-Jährige studiert Betriebswirtschaft in Gießen und ist Neuem gegenüber immer aufgeschlossen. „Ich bin überzeugt, dass die Sachen sich verkaufen“, sagt sie.

Nicht nur die goldenen Ohrringe der Österreicherin Katrin Eckerstorfer für 18 Euro sind begehrt, auch einer der Holzdrucke Töbels hat schon einen Abnehmer gefunden. Die Geschäftsidee macht auch an ihrer Hochschule Furore: „Sie ist schon Thema in Seminaren“, freut sich Luisa Jablonksi.

Anfragen aus Museen

Ein bisschen schwierig ist das Bezahlen. „Es hat länger gedauert als wir dachten, auch EC- und Kreditkarten annehmen zu können“, gibt Jablonksi zu. Noch muss man den Automaten mit Münzen und Scheinen füttern.

Überhaupt sind die beiden Siebt-Semester-Studentinnen, die ja auch lernen müssen und zudem einen Internet-Shop anbieten wollen, ziemlich im Stress: „Wir haben schon viele Anfragen, auch von Museen“, berichtet Luisa Jablonski. Und wie wäre es mit der documenta in Kassel? „Klar, daran haben wir auch schon gedacht.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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