Aktion „Rettet die Mundart“ abgeschlossen - Gesellschaft prüft jetzt Leservorschläge

Nun kommt die Rote Liste

Roland Siebert

Kassel. „Na ja, da haben wir uns ja was aufgeladen“, meinte Roland Siebert gestern, als er sich im Kasseler Presse- und Druckzentrum einen Karton abholte. Inhalt: hunderte von Vorschlägen unserer Leserinnen und Leser für nordhessische Begriffe und Redewendungen, die von der Gesellschaft für Nordhessische Mundart (GNM) auf eine „Rote Liste“ gesetzt werden sollen, damit sie nicht aus dem Sprachgebrauch verschwinden.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte unsere Zeitung die Aktion „Rettet die Mundarten“ gestartet. Und damit nach Meinung von GNM-Vorsitzendem Siebert einen Flächenbrand ausgelöst.

In Wabern (Schwalm-Eder-Kreis) wird in den nächsten Tagen der Vorstand der Gesellschaft für Nordhessische Mundarten zusammenkommen und die Begriffe unter die Lupe nehmen. Beim 12. Mundarttag in Nordhessen am 10. Oktober soll das Projekt „Rote Liste“ dann in Bad Zwesten (Schwalm-Eder-Kreis) vorgestellt werden.

Dass ein Berg von Arbeit auf ihn zukommen würde, war Roland Siebert aus Dorheim schon kurz nach Veröffentlichung der Aktion glasklar: „Drei Tage hat das Telefon bei mir nicht stillgestanden, obwohl ich ja erst mal gar nicht Adressat war“, meinte er gestern. Es sei eine „unheimliche Überraschung“ gewesen, wie groß die Resonanz von Bad Hersfeld bis Bad Karlshafen, von Eschwege bis Frankenberg gewesen sei. „Die Aktion hat die Leser motiviert, sich mit der Mundart zu beschäftigen“, resümierte Siebert.

Er hatte Norbert Rose mitgebracht, um die Leservorschläge abzuholen. Rose ist Sprecher der Axel-Herwig-Stiftung und Vorsitzender des Mundartvereins „Schobben un Kännchen“ in Kassel-Niederzwehren. Rose fand dann neben Lob für die Aktion auch mahnende Worte: Um althergebrachte Werte und Eigenheiten der Region zu bewahren, dürfe man nichts mehr auf die lange Bank schieben. Denn: „Die Zeitzeugen sterben langsam aus. Wir müssen also rechtzeitig reagieren.“ • Kontakt: Gesellschaft für Nordhessische Mundarten Forsthaus Landsburg 34599 Neuental-Dorheim

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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