Entscheidung über Bundeswehrstandorte in Nordhessen wird erst für Frühjahr 2011 erwartet

Bundeswehr-Standorte in unserer Region: Die Konkurrenz sitzt in Bayern

Burgwaldkaserne, Frankenberg (seit 1962)

Kassel. Welche Standorte in unserer Region von der Bundeswehrreform betroffen sind, steht offiziell noch nicht fest. Dennoch gibt es Indizien, die darauf schließen lassen, wie es um einzelne Stützpunkte steht. Entscheidend sind dabei Faktoren wie Investitionen, Lage und Spezialisierung der Streitkräfte.

Rotenburg: Nach Informationen der HNA sind seit 2005 etwa 30 Millionen Euro in die Grundsanierung des Standortes geflossen. Im kommenden Jahr werden es noch einmal etwa zehn Millionen Euro sein. Jüngst wurde das Richtfest des neuen Wirtschaftsgebäudes (acht Millionen Euro) gefeiert. Einen Standort mit derart hohen Investitionen zu schließen, halten gut informierte Kreise für undenkbar. Dem Vernehmen nach könnte Rotenburg künftig eine unterstützende Funktion für den Standort Stadtallendorf übernehmen.

Frankenberg: Hier sind 2010 etwa sechs Millionen Euro verbaut worden. Derzeit werden Heizungsanlagen und Entwässerung saniert. Für die neue Sporthalle gilt jedoch ein Baustopp. In der Vergangenheit wurde spekuliert, dass es um Frankenberg schlecht steht. Stichhaltige Indizien gibt es jedoch nicht. Im Gegenteil: In Frankenberg arbeiten hochspezialisierte Kräfte im Bereich Fernmeldeelektronik, die seit vielen Jahren mit ihren Familien eng in die Struktur des Ortes eingebunden sind - sie zu versetzen wäre kein leichtes Unterfangen, sagen Experten.

Fritzlar: Das Aushängeschild in Fritzlar sind die für 200 Millionen Euro gebauten neuen Flugzeughallen. Hallen gleichen Typs stehen auch im bayrischen Roth. Im Zuge der Reform soll es statt der geplanten 80 Kampfhubschrauber (Tiger) nur 40 geben; sie werden vermutlich auf einen Standort konzentriert. Zwischen Roth und Fritzlar könnte es also zum Machtkampf kommen. Für Roth spräche, dass der Ort zum Wahlkreis des Verteidigungsstaatssekretärs Christian Schmidt gehört, und dass Bayern auch von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Einsatz erwarten dürfte.

Fritzlar hat jedoch den größeren Flugplatz. Entscheidend könnte sein, wer den Transporthubschrauber vom Typ NH 90 bekommt. Im Gespräch sind zwei Standorte. Wer das Rennen macht, ist noch offen. Schwarzenborn: Übungen mit besagtem Transporthubschrauber könnten in Schwarzenborn stattfinden. Für den Standort in der Knüllgemeinde spricht auch, dass er bislang als Ausbildungsstätte für den Einsatz in Afghanistan genutzt wurde. Aktuell fließt auch hier Geld: eine Hackschnitzel-Heizanlage wird gerade gebaut.

Stadtallendorf: Aus Regensburg ist gerade die Division Spezielle Operation (DSO) nach Stadtallendorf gezogen. Sie soll dem Vernehmen nach mit der Luftbeweglichen Operation (derzeitiger Sitz Veitshöchheim, Landkreis Würzburg) zu einer Einsatzdivision zusammengelegt werden. Möglicher Standort ist Stadtallendorf. Dafür spricht, dass die zweite Kaserne reaktiviert wird. Sie stand auf verseuchtem Boden und sollte übers Internet verkauft werden. Bayern könnte mit Veitshöchheim nach Regensburg den zweiten Standort verlieren. Oder an anderer Stelle (Roth) einen Ausgleich bekommen.

Im Zuge der neuen Division ist ein weiteres Jägerregiment (nach Schwarzenborn) im Gespräch, das im Krisenfall (Evakuierungen) innerhalb von 24 Stunden einsatzbereit ist.

Von Manfred Schaake und Heidi Senska

Quelle: HNA

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