Drei Fragen an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans

„Kontrollen verstärken“

Mechthild Dyckmans (59) ist seit 2009 Drogenbeauftragte der Bundesregierung und seit 2005 FDP-Bundestagsabgeordnete. Die gebürtige Südharzerin wohnt in Kassel. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Foto: Fischer

Kassel. Die Drogenbeauftragte der Regierung, Mechthild Dyckmans (Kassel), sieht keinen Bedarf an Gesetzesänderungen gegen Alkoholmissbrauch. Das wichtigste sei Aufklärung in Zeiten, in denen die Extreme zwischen totaler Abstinenz und Komasaufen immer größer würden. Drei Fragen an Mechthild Dyckmans.

Die legale Droge Alkohol ist zum Problem Nummer eins geworden. Was wollen Sie gegen Komasaufen tun?

Dyckmans: Die bisherigen Maßnahmen haben nicht so gewirkt, wie wir uns das gewünscht haben. Mich sorgt, dass das Rauschtrinken schon bei den unter 16-Jährigen verbreitet ist, obwohl sie eigentlich gar nicht an Alkohol herankommen dürften. Wir müssen den Jugendschutz besser durchsetzen. Dafür müssen die Kontrollen in Läden und Gaststätten verstärkt werden.

Wenn Jugendliche keinen Alkohol kaufen, bedeutet das nicht, dass sie keinen trinken.

Dyckmans: Wir sind aber schon einen Schritt weiter, wenn Alkohol nicht mehr so leicht verfügbar ist. Ansonsten setze ich auf Prävention und ein Umdenken der Gesellschaft.

Fördert unsere Gesellschaft Süchte in der Form, dass immer mehr Menschen das Bedürfnis haben, sich aus dem richtigen Leben auszuklinken?

Dyckmans: Der Leistungsdruck wird einfach immer größer. Das beginnt schon in der Schule mit dem verkürzten Abitur. Es ist die Aufgabe der Politik, die Verpflichtung zu übernehmen, dass der Mensch mit seinem Leben richtig umgehen kann. Außerdem spielt es eine große Rolle, ob die Gesellschaft bestimmte Süchte akzeptiert oder entschuldigt. Der Mensch wird immer irgendeine Sucht haben, da es immer etwas neues geben wird, was exzessiv ausgenutzt wird.

Von Friederike Göbel

Quelle: HNA

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