Krankheit breitet sich aus: Masernwelle rollt auch durch Hessen

Die Ärzte sind alarmiert, die Politik ruft zum Impfen auf: Die europaweite Masernwelle rollt auch durch Hessen und stellt die Zahl der Krankheitsfälle aus den vergangenen Jahren in den Schatten. Schuld sind vor allem Erwachsene, die sich nicht schützen

In den vergangenen vier Monaten sind in Hessen mehr Menschen an Masern erkrankt als im gesamten Vorjahr. Insgesamt wurden seit Januar bislang 37 Fälle registriert, teilte das Sozialministerium in Wiesbaden am Donnerstag mit. Im Jahr 2010 waren es sechs weniger, im Jahr davor sogar insgesamt nur 24. In ganz Süddeutschland rollt derzeit die Masernwelle, auch europaweit breitet sich die Krankheit aus. Bereits 30 Länder haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation schon eine steigende Zahl von Erkrankungen.

Während der Europäischen Impfwoche vom 23. bis 30. April wollen die europäischen Mitgliedsstaaten über eine gemeinsame Vorsorge beraten, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Mehr als 50 Länder nehmen diesmal an der Impfkampagne teil - ein neuer Rekord.

„Deutschland und auch Hessen sind keineswegs „masernfrei““, warnte Sozial-Staatssekretärin Petra Müller-Klepper. Die Ursache liege vor allem bei jüngeren Erwachsenen, die sich nicht impfen ließen. Auch bei Jugendlichen gebe es deutliche Lücken im Masernschutz. Die Impfung werde für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen empfohlen, sofern sie nicht oder nur einmal geimpft sind oder der Impfstatus unklar sei. Nach Angaben des Ministeriums waren im Jahr 2009 insgesamt 91,3 Prozent aller Schulanfänger zweifach geimpft, das entspricht für diese einen vollständigen Impfstatus gegen Masern.

In Deutschland meldeten auch die Gesundheitsbehörden von Bayern und Baden-Württemberg im ersten Quartal des Jahres eine hohe Zahl von Infektionen. Im Südwesten musste sogar bereits eine Schule vorübergehend geschlossen werden, weil dort mehr als 30 Schüler an Masern erkrankt waren.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts stieg die deutschlandweite Zahl von 571 Fällen im Jahr 2009 auf 780 im vergangenen Jahr. Im laufenden Jahr seien bereits mehr als 230 Fälle gemeldet worden - ein Beleg dafür, dass die Impfquote noch erhöht werden müsse. Masern sind eine typische Erkrankung im Kindesalter, die mit einem Ausschlag und hohem Fieber einhergeht. Es können auch Erwachsene erkranken. Möglich sind Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Lungenentzündung und eine lebensbedrohliche Entzündung des Gehirns. Einen wirksamen Schutz gibt nur durch eine Impfung. Sie sollte zwei Mal zwischen dem 11. und 23. Lebensmonat erfolgen. (dpa)

Quelle: HNA

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