Haus des Jugendrechts: Schnellere Verfahren gegen junge Straftäter angestrebt

Kriminelle Karrieren verhindern

WIESBADEN. Im Februar soll in Wiesbaden das erste „Haus des Jugendrechts“ seine Arbeit aufnehmen. Innenminister Volker Bouffier (CDU) und Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) sagten gestern in Wiesbaden, Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe sollten dort unter einem Dach sitzen, um Verfahren, in die Jugendliche verwickelt sind, schneller bearbeiten zu können. Diese Organisationsform ist daher nicht zu verwechseln mit dem auf ehrenamtlicher Basis arbeitenden Jugendrechtshaus in Marburg, das sich als Anlaufstelle sieht und Beratung für Jugendliche Eltern und Erzieher betreibt.

Wahlkampfthema

Das Konzept der Landesregierung war im Koalitionsvertrag festgeschrieben worden, nachdem das Thema Jugendkriminalität in den letzten beiden Wahlkämpfen immer wieder eine Rolle gespielt hatte. Zudem waren in Hessen Defizite bei der Dauer der Verfahren offenbart worden.

In der Anhörung zu dem Projekt hatte es allerdings auch Kritik gegeben. Vor allem von Seiten der Jugendämter war befürchtet worden, dass eine Vermischung ihrer Arbeit mit der von Polizei und Justiz Probleme bereite.

Bouffier sagte gestern, gerade für Jugendliche sei es wichtig, schnell mit der Konsequenz ihres Handelns konfrontiert zu werden. Er erwartet auch positive Effekte bei der Prävention. Es sei wichtig, frühzeitig in kriminelle Karrieren einzugreifen. Immerhin würden 50 Prozent aller Straftaten bei Jugendlichen von nur 10 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen begangen: „Es geht aber hier nicht nur um blanke Zahlen, sondern um die Wirkung auf die Leute, viele sind ja lange polizeibekannt.“

Im Haus des Jugendrechts sollen auch Sozialarbeiter der Stadt tätig sein, entsprechende Beschlüsse muss der Wiesbadener Magistrat aber erst noch fassen.

Wissenschaftliche Begleitung

Ein zweites Haus des Jugendrechts soll 2010 in Frankfurt-Höchst entstehen. Bevor weitere eingerichtet werden, wollen die beiden Minister die Erfahrungen auswerten. Eine wissenschaftliche Begleitung ist ebenfalls vorgesehen. Die Pilotprojekte sollen zunächst zwei bis drei Jahre laufen, so Bouffier.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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