Kritik an Grimm-Vermarktung in Hessen - Ziel: Märchenhafte Werbung

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Benjamin Schäfer, Geschäftsführer der Deutschen Märchenstraße, am Brüder-Grimm-Denkmal in Kassel. Schäfer kritisiert die Stadt wegen Versäumnissen bei der Grimm-Vermarktung.

Die Stadt Kassel vernachlässige die Brüder-Grimm-Vermarktung. Diese Kritik äußert Benjamin Schäfer, Geschäftsführer der Deutschen Märchenstraße. Als zentrale Stadt der Deutschen Märchenstraße sei Kassel bislang seinem Grimm-Erbe nicht gerecht geworden.

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Kassel. Mit Siebenmeilenstiefeln würden viele Touristen nach Hessen kommen, wenn die Brüder Grimm besser vermarktet werden. Vor allem Kassel als zentrale Stadt der Deutschen Märchenstraße sei bisher seinem Grimm-Erbe nicht gerecht geworden, sagte Benjamin Schäfer, Geschäftsführer der Deutschen Märchenstraße. „Kassel hat den Wert des Grimm-Vermächtnisses in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht wirklich genutzt“, betonte er.

Mehr zu den Brüder Grimm in Hessen steht in unserem Regiowiki

http://regiowiki.hna.de/Brüder_Grimm

Kassel mache als zentrale Stadt in der Märchenstraße auch wenig Werbung für sich. Anders als viele andere Mitglieder der Märchenstraße repräsentiere die Stadt bisher kein bestimmtes Märchen. Schäfer: „Wir müssen eine Lösung finden, wie die Grimm-Aktivitäten in Kassel und in Hessen besser koordiniert werden.“ Die Märchen, die in mehr als 140 Sprachen übersetzt wurden, und das Leben der Brüder Grimm seien im Ausland sehr beliebt und bekannt

. Vor allem Touristen aus den USA, Japan und China wollten den Spuren der Grimms folgen und interessierten sich für die Märchenstraße. Doch dass sie Jahrzehnte in Kassel lebten und hier viele Hausmärchen verfassten, wisse kaum jemand. „Ich wünsche mir, dass Repräsentanten der Stadt bei passenden Gelegenheiten öfter verkünden, dass Kassel die zentrale Stadt an der Deutschen Märchenstraße ist“, fordert Schäfer.

Weil es durch Um- und Neubau derzeit kein Brüder-Grimm-Museum in Kassel gebe, komme es vor, „dass märcheninteressierte Touristen Kassel in ihrer Reiseplanung auslassen oder die Märchenstraße gar nicht bereisen“, sagte Schäfer. Der geplante Neubau sei der richtige Weg, weil das bisherige Museum nicht zeitgemäß sei. Schäfer zeigte sich aber optimistisch, dass die Bedeutung der Brüder Grimm in Hessen wachsen wird: „Es freut mich, dass es Pläne für eine Grimm-Landesmarke und für eine gemeinsame Jubiläumsausstellung für das Grimm-Jahr 2013 gibt.“

Von Heide Gentner

Kommentar von HNA-Kulturredakteur Werner Fritsch

Benjamin Schäfer, der Geschäftsführer der Deutschen Märchenstraße, hat recht: Es muss mehr geschehen, um die weltberühmten Märchen-Brüder Grimm in Kassel zur Geltung zu bringen.

Werner Fritsch, HNA-Kulturredaktion

Und es stimmt auch: Jahrelang hat sich in Kassel in Sachen Grimm nichts getan, weil unsinnige Standortdebatten über ein Museum geführt wurden und sich die Brüder-Grimm-Gesellschaft vornehmlich mit Streitereien um das Personal beschäftigte. Doch diese Phase der Lähmung ist seit einiger Zeit überwunden.

Es geht sogar richtig voran mit dem Thema Grimm: Fast einstimmig wurde ein Museumsneubau auf dem Kasseler Weinberg beschlossen, die Sanierung des Palais Bellevue, das bis zur Fertigstellung des neuen Museums wieder Grimm-Heimstätte wird, kommt gut voran. Und vor Kurzem wurden für die Übergangszeit auch noch zwei Grimm-Ausstellungen in neuen Räumen eröffnet. Angesichts dessen wirkt die Kritik Schäfers etwas verspätet.

Auch die Idee, dass Kassel im Rahmen der Märchenstraße ein ganz bestimmtes Märchen verkörpern solle, überzeugt nicht: Schließlich steht gerade Kassel für die Gesamtheit der hier gesammelten Kinder- und Hausmärchen. Dass die Grimm-Aktivitäten in ganz Hessen noch stärker gebündelt werden sollten, steht dagegen auf einem anderen Blatt. fgh@hna.de

Quelle: HNA

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