Kurioses Urteil: 90-Jähriger Ladendieb muss für 100 Euro einkaufen

Marburg. Ein 90 Jahre alter Mann ist vom Amtsgericht Biedenkopf im Kreis Marburg-Biedenkopf zu einer ungewöhnlichen Strafe verdonnert worden: Er muss wegen Ladendiebstahls für 100 Euro Teufelskrallen-Tabletten in einer Apotheke kaufen.

Und denselben Betrag soll er an die Arthrose-Stiftung in Deutschland überweisen. Richter Mirko Schulte sprach nicht nur ein kurios-kreatives Urteil, sondern hatte mit dem betagten Rentner auch den ältesten Mann auf der Anklagebank, den das Amtsgericht Biedenkopf jemals vorgeladen hat.

Der 90-Jährige war von zwei Verkäuferinnen eines Discountmarktes beschuldigt worden, in dem Laden eine Schachtel mit Teufelskrallen-Präparat entwendet zu haben. Wert: 2,99 Euro.

Der alte Mann verteidigte sich recht clever: Wissentlich habe er nichts gestohlen. Er habe die Teufelskrallen-Schachtel mit seinem Portemonnaie verwechselt und eingesteckt.

Das zog aber nicht bei Richter Schulte. Der hielt dem Senior nämlich vor, dass er vor zwei Jahren schon einmal wegen Diebstahls angeklagt gewesen sei. Objekt der Begierde des damals 88-Jährigen: eine Schachtel Teufelskralle.

Ausrede damals: Er habe nur die Sicherheitsmaßnahmen des Ladens testen wollen. Nach dem erneuten Fehlgriff zur Teufelskralle hat der Mann aus dem Marburger Hinterland nun zwei Monate Zeit, um bei Richter Schulte die Überweisung an die Arthrose-Hilfe vorzulegen.

Außerdem muss er den Kauf von Teufelskralle im Wert von 100 Euro dem Gericht im selben Zeitraum belegen. Tut er das nicht, wird das Gerichtsverfahren, das vorerst eingestellt ist, wieder aufgenommen.

Teufelskralle im Wert von 100 Euro reicht ungefähr ein Jahr lang. So will Richter Schulte den alten Mann vor neuen Teufelskrallen-Fehlgriffen in den kommenden zwölf Monaten schützen.

Stichwort/Hintergrund

Die Teufelskralle wird für medizinische Zwecke genutzt. Insbesondere kann sie eine unterstützende Therapie bei Arthrose und anderweitiger Mobilitätseinschränkung darstellen. Mittlerweile wird sie sogar auch bei Tieren, die häufig unter chronischen Arthroseerkrankungen leiden, angewendet.

Medizinisch verwendet werden die unterirdischen weit verzweigten Speicherwurzeln (Sekundärwurzeln). Die Pflanze mit Hauptwurzel (Primärwurzel) bleibt erhalten und kann somit neue Seitentriebe ausbilden. Die Wirkstoffe werden aus den bis zu 600 Gramm schweren Speicherwurzeln gewonnen.

Die Nachfrage nach der Teufelskralle ist weltweit dermaßen gestiegen, dass die wildwachsende Teufelskralle mittlerweile vom Aussterben bedroht ist.

Quelle: HNA

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