Land denkt an Alkohol-Verkaufsverbot von 22 bis 5 Uhr

Szene nach Saufgelage: Hessen denkt an ein nächtliches Verkaufsverbot für alkoholhaltige Getränke. Foto: ap

Wiesbaden. Ein nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol ist in Hessen nach wie vor nicht vom Tisch. Zwar sei derzeit nicht geplant, die Rechtslage bei der Alkoholprävention zu verändern. „Wir beobachten allerdings sehr aufmerksam das in Baden-Württemberg bestehende Nachtverkaufsverbot von Alkohol.“

Das sagte der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU). Danach werde entschieden, ob eine ähnliche Regelung auch in Hessen sinnvoll sei.

In Baden-Württemberg dürfen Geschäfte seit März zwischen 22 Uhr und 5 Uhr keinen Alkohol mehr verkaufen. So soll nächtlichen Saufgelagen und daraus resultierenden Schlägereien ein Riegel vorgeschoben werden.

Größere Lebensmittelläden, die auch in Nordhessen zum Teil bis 24 Uhr an Werktagen geöffnet haben, sowie vor allem Tankstellen würde ein solches Verbot treffen. Die Tankstellen in Baden-Württemberg rechnen mit 30 bis 40 Prozent Umsatzeinbuße. Das wiederum könne einen Verlust von 2000 bis 3000 Arbeitsplätzen zur Folge haben.

Gerade auf dem Land werde es dann nicht mehr genug Tankstellen geben, befürchtet der Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland.

Im südlichen Nachbarland Hessens haben einige Tankstellen schon einen Trick gefunden, um das zeitlich geltende Alkoholverkaufsverbot sauber zu umschiffen. Sie haben einfach eine Gaststättenkonzession erworben. Wie viele Tankstellenunternehmer eine solche Gaststättenerlaubnis besitzen, ist nicht bekannt. Die größeren Tankstellen dürften eine solche Erlaubnis aber besitzen, sagt Carsten Beuß, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer beim Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg.

Auch dieses Bundesland zielt mit seinem Verbot auf einen besseren Schutz von Jugendlichen. Laut Statistik wurden im vorvergangenen Jahr in Hessen 1757 junge Menschen unter 20 Jahren mit einer akuten Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Das waren ungefähr doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren, sagte Gesundheitsminister Grüttner. Dagegen spielen sogenannte Flatrate-Partys, bei denen gegen einen festen Betrag unbegrenzt Alkoholhaltiges ausgeschenkt wird, laut Minister Grüttner in Hessen kaum noch eine Rolle. Verschiedene Aufklärungskampagnen hätten Wirkung gezeigt.

Auch deutschlandweit wurden 2009 mehr Jugendliche mit einem Vollrausch im Krankenhaus behandelt als im Vorjahr, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. So mussten 2009 knapp 26 000 junge Patienten in Kliniken ausnüchtern, etwa 600 mehr als 2008. (jum/lhe)

Quelle: HNA

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