Landtagspolitiker packt die dienstliche Reiselust

Wiesbaden. Im Wiesbadener Landtag ist das Reisefieber ausgebrochen. Und das nicht etwa, weil dort verfrüht die Ferien begonnen hätten. Nein, die Damen und Herren Abgeordneten sind rein dienstlich unterwegs.

Die 29-köpfige SPD-Fraktion zum Beispiel hat es nach Österreich verschlagen, immerhin ein Land mit sozialdemokratischem Kanzler. Wien lautet das Ziel der viertägigen Fraktionsklausur. Wer da an Heurigen und Prater denkt, irrt freilich: Die SPD arbeitet und hat sich deshalb nach Mauerbach vor die Tore Wiens zurückgezogen. Wenn auch nicht in die dortige Karthäuser-Klause, denn dort waren zu Zeiten der Mönche Schweigen und die Einsamkeit der Zelle angesagt. Stattdessen, so berichtet Pressesprecherin Katja Apelt, wurde der Fraktionsvorstand turnusgemäß gewählt. Alles ist beim Alten und somit Thorsten Schäfer-Gümbel der Chef geblieben. Eine kleine Stadtrundfahrt durchs „rote Wien“ darf heute Nachmittag aber schon sein.

Einmal in der Legislaturperiode darf eine Fraktion ins Ausland reisen, deshalb ist auch die FDP jetzt außer Landes. Die immerhin 20-köpfige Gruppe ist für vier Tage in Hessens schöne Partnerregion Emilia Romagna gereist, um zwischen Ravenna und Bologna jede Menge höchst wichtiger Gespräche mit regionaler Politprominenz zu führen.

Dagegen scheint sich die Union das Thema ihrer zweitägigen Haushaltsklausur sehr zu Herzen genommen zu haben: Die 46 Abgeordneten fuhren gerade mal nach Neu-Isenburg gleich hinterm Frankfurter Flughafen. Dort allerdings immerhin ins 5-Sterne-Hotel Kempinski im Stadtteil Gravenbruch. Erkenntnis von dort: Auch 2012 muss konsequent gespart werden.

Ganz daheim in Wiesbaden geblieben sind die Linken und die Grünen. Erstere haben keine Reisepläne, den Kontakt zur französischen Linken halte Fraktionschef Willi van Ooyen, scherzt Pressesprecher Thomas Klein. Frankreich ist für den mit einer Französin verheirateten van Ooyen eine Art zweite Heimat.

Die Grünen suchten schon im vergangenen Jahr das Weite und reisten nach Serbien. Mitten hinein, das vergessen sie nie, platzte seinerzeit Roland Kochs Ankündigung, der Politik den Rücken zu kehren. Deshalb pflegt jetzt Kochs Nachfolger Volker Bouffier Hessens internationale Kontakte - ab heute fünf Tage lang nach Israel.

Quelle: HNA

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