Junge Frankfurterin, die auch an U-Bahn-Schlägerei beteiligt war, vor Gericht

Die letzte Chance verwirkt

Frankfurt-Zeilweg: An einer Schlägerei dort war Michaela D. auch beteiligt - wie genau, wird noch ermittelt. Foto: dpa

FRANKFURT. Sie kommt herein mit der Robe ihrer Anwältin über dem Kopf, atmet mehrfach tief durch. Schutz vor den Kameras. Zu sehen sind Jeans, lila Kapuzenpulli, schwarze Jacke. Als das Gericht eintritt, zieht sie die Robe vom Kopf und lächelt die Richter kurz an. Eine hübsche junge Frau, die dunkelbraunen Haare zum Zopf geflochten, kleine Perlohrringe und sichtlich unsicher.

Doch Michaela D. kann auch anders. Die 20-Jährige tritt schon mal zu, schlägt Menschen ins Gesicht, stiehlt, fährt schwarz, setzt sich unter Drogen ohne Führerschein ans Steuer, randaliert, wenn die Polizei kommt, überzieht Beamte mit vulgärsten Beleidigungen. Ihre Schulkarriere ist desaströs, immerhin irgendwann mit Hauptschulabschluss. Soll ihr geholfen werden, hält sie nicht durch.

Kein einmaliger Fall in einer Großstadt wie Frankfurt. Und doch sind Journalisten da, denn Michaela D. gehört auch zu den drei Frauen, die im Oktober 2009, kurz nachdem in München Dominik Brunner an einer U-Bahn-Haltestelle totgeschlagen worden war, in einer Frankfurter Bahn mit einem 51-Jährigen aneinander geraten waren. Ein Fall nicht annähernd vergleichbar mit München, wie sich nach näherem Hinsehen herausstellte.

Aber deshalb sitzt die junge Frau gestern nicht im Gerichtssaal, die Haupttäterin dieses Falls ist bereits verurteilt. „Das ist der Horror für meine Mandantin“, schimpft deshalb ihre zierliche Anwältin mit dem blonden Pferdeschwanz und meint die Journalisten. Michaela D. hat Berufung eingelegt gegen das letzte von vielen Urteilen, das ein Amtsrichter im April 2009 gegen sie gesprochen hatte: Zwei Jahre und drei Monate Jugendhaft - ohne Bewährung.

Der Richter gestern verliest die Missetaten der Frau aus schwierigen Familienverhältnissen, die seit 2004 aktenkundig ist. Immer wieder hat sie eine Chance bekommen, immer wieder hat sie sie sofort aufs Spiel gesetzt, oft gemeinsam mit jener Lara, die in der U-Bahn zugeschlagen hatte. „Eine Gefahrengemeinschaft“, so die Anwältin.

Stumme Abwehr

Der lange Vortrag ist Michaela D. unangenehm. Und doch hofft sie wieder auf eine Chance. Ob sie den Berufungsantrag nicht zurückziehen wolle, bevor es noch schlimmer komme? Immerhin liege schon wieder etwas gegen sie vor. Doch Michaela D. schüttelt stumm den Kopf.

Die Anwältin hebt hilflos die Hände, es gibt nichts, was für die Frau spricht. Wer soll auch glauben, dass sie ihr Leben jetzt plötzlich in den Griff bekommt? Das Gericht nicht. Es setzt auf Erziehung in der Jugendhaft. Michaela D. schürzt die Lippen. Sie sieht darin wohl keine Chance.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare