Henrico Frank bekam Sitz in Wiesbadener Ortsbeirat, zieht abner eine Therapie vor

Deutschlands "frechster Arbeitsloser": Einst pöbelte er, nun machte er fast selbst Politik 

Wiesbaden. Henrico Frank hält sich bestenfalls noch für einen „D-Promi“. Am Montag schien er mal wieder höher eingestuft. Denn der von der „Bild“ einst zum frechsten Arbeitslosen Deutschlands“ gekürte Mann hatte bei der Kommunalwahl einen Sitz im Wiesbadener Ortsbeirat Westend errungen. Und schon war er wieder in der Zeitung.

Frank, der 2006 auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt einen berühmt gewordenen Disput mit dem damaligen SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Beck hatte, nun also selbst Politiker? Vielleicht etwas übertrieben, angetreten war er für die Liste „Lebenswertes Westend“, mehr Politik hatte er nicht im Sinn.

Doch wie so oft in dem von vielen Brüchen gezeichneten Leben des 42-Jährigen kommt es anders. Er wird, sagte er unserer Zeitung gestern überraschend, das Mandat nicht annehmen. Weil er in Kürze eine Therapie beginnt. Nur damit kann er retten, was ihm am allerwichtigsten ist: seinen Job beim Frankfurter Musiksender iMusikTV.

„Waschen und rasieren“

Den bekam er kurz nach dem Zusammentreffen mit Beck. Frank, damals eher ungepflegt, hatte Beck im vorweihnachtlichen Getümmel angepöbelt wegen der Hartz- IV-Gesetze, und der SPD-Politiker hatte entgegnet, er solle sich waschen und rasieren, dann bekomme er einen Job.

Henrico Frank

Als das publik wurde, brach über den aus Gotha stammenden Arbeitslosen ein Sturm los. Denn kaum hatte sich die erste Empörung über Beck gelegt, wurden die Schlagzeilen über Frank immer hämischer; unter anderem, weil die Hartz-IV-Plattform, bei der er damals mitarbeitete, sich des „Promi-Mitglieds“ bemächtigte. Eine Mitstreiterin erkor sich gar zu seiner Pressesprecherin. „Dabei hab ich nur meiner Mutter zuliebe nichts mehr gesagt“, erzählt Frank, der Frau habe die Boulevardpresse damals „die Bude eingerannt“.

Der Glücksfall für den Heavy-Metal-Fan wurde kurz darauf das Vertragsangebot von iMusikTV, „das war nicht nur ein Werbe-Gag, sonst wäre ich ja nicht mehr da.“

Ein Arbeitsplatz wie geschaffen für den gelernten Baufacharbeiter, der wegen einer Schulterverletzung nicht in seinem Beruf arbeiten kann. Beim Sender kann der Musikexperte seine Heavy-Metal-T-Shirts tragen, den Piercing-Ring in der Nase und auch die immer noch langen Haare.

Nur eins geht eben nicht: alkoholisiert zur Arbeit erscheinen. Und weil er zu oft nicht auf „die Bierchen“ am Abend verzichten konnte, haben sie ihm jetzt „die Pistole auf die Brust gesetzt.“ Therapie oder Schluss. Frank findet das gut, denn seine Arbeit ist „mein Traumjob“. Nie will er wieder ganz unten landen, so wie damals nach der Wende, wo er vier Jahre obdachlos war. „Das ist meine letzte Chance, ich hoffe, ich packe das.“

Sein Traumjob - irgendwie verdankt er den ja doch der Szene mit Kurt Beck. Den er übrigens nie wieder gesehen hat. „Ich finde das auch heute noch unmöglich, was er da gesagt hat.“ Und deshalb hat sich der bekennende Linke am Sonntag auch über das gute Grünen-Ergebnis bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz gefreut: „König Kurt ist er jetzt nicht mehr“.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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