Regierungspräsidien warnen vor Unfallgefahr und fordern gesetzliche Vorgaben

Liegetaxis nicht immer sicher

Blick in ein sogenanntes Liegetaxi: Nach Meinung der Regierungspräsidien in Kassel und Gießen lauert hier oft ein Sicherheitsrisiko sowohl für Passagiere als auch für die Fahrer. Foto: nh

Kassel. Ausgerechnet auf Europas größter Fachmesse für Rettung und Mobilität in Fulda, der RETTmobil, wurden mehrere Hersteller von Liegetaxis von den beteiligten Behörden geprüft und beraten. Ergebnis: Nicht ein einziges dieser Fahrzeuge war für Krankentransporte geeignet. „Zudem offenbarten sich bei den Fahrzeugherstellern erhebliche Wissensdefizite zu den rechtlichen Bedingungen von Krankentransporten“, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Bericht des Regierungspräsidiums Kassel.

In jüngster Vergangenheit habe es mehrere schwere Unfälle mit Liegetaxis gegeben, erklärte RP-Pressesprecher Michael Conrad. Bei den Unfällen seien sowohl Patienten als auch Fahrzeugführer verletzt worden. Durch unzureichende Absicherung waren Patienten in Kurvenfahrten vom Krankenbett gerutscht und hatten sich Knochenbrüche zugezogen. In einem anderen Fall war nach einer Vollbremsung der Patient durch das Fahrzeug geflogen und gegen den Fahrer geschleudert worden. Beide erlitten nach Darstellung des Regierungspräsidiums Kopfverletzungen.

„Laienhaft umgebaut“

Wegen der schweren Sicherheitsmängel fordert das RP „dringend konkrete gesetzliche Vorgaben für die Hersteller solcher Fahrzeuge“. In der Regel handele es sich nämlich dabei bisher um normale Kleintransporter oder sogenannte Multifunktionsfahrzeuge, die mitunter nur laienhaft für den Transport von kranken Menschen umgebaut worden seien.

Klaus Palm, Leiter des Dezernats Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik im Regierungspräsidium Kassel, berichtet teilweise abenteuerliche Details über die Ausstattung solcher Liegetaxis: • Da werde Teppichboden verlegt, wo zwingend PVC-Boden wegen der leichteren Reinigung und Desinfektion eigentlich Pflicht sei. • Bei verwendeten Krankentragen und -betten oder Krankentragestühlen handele es sich zwar um Medizinprodukte, die für sich genommen gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Aber die Hersteller lassen ihre Produkte bisher nur für den Einbau in Krankentransportwagen zu, bei denen bereits gesicherte Erkenntnisse zur Stabilität der Fahrzeuge oder den Auswirkungen bei einem Unfall vorliegen. Durch den Einbau in Multifunktionsfahrzeuge, für die keine entsprechenden Überprüfungen vorhanden seien, finde dann „eine nicht bestimmungsgemäße Verwendung statt“. Den Nachweis der Sicherheit müsste der Hersteller der Multifunktionsfahrzeuge erbringen - zum Beispiel durch einen Crashtest. Die Sicherheit für Fahrer und Patient müsse bis dahin als „nicht gewährleistet“ angesehen werden • Ebenfalls kritisiert: fehlende räumliche Trennungen zwischen Patient und Fahrer sowie fehlende Sicherungen für mitfahrende Begleitpersonen.

Folge des Tests: Die für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik zuständigen Behörden an Standorten der Fahrzeughersteller wurden von den Nordhessen informiert, damit sie die Hersteller „korrigierend beraten“ können.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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