Gewerkschaft drängt bei Hessischer Landesbahn auf höhere Einkommen - Streik nicht ausgeschlossen

Lokführer wollen einheitlichen Lohn

Zug der Landesbahn auf der Fahrt nach Hanau.

Kassel. Die Drohung der Lokführergewerkschaft GDL, in diesem Frühjahr Privatbahnen mit Streiks zur besseren Bezahlung der dort angestellten Lokführer zu zwingen, dürften im nordhessischen Bahnverkehr zunächst ohne weit reichende Auswirkungen bleiben. Die GDL ist weder bei der hier verkehrenden Cantus Verkehrsgesellschaft noch bei der Hessischen Landesbahn (HLB) Tarifpartner.

Aber sie will es werden. Zumindest bei der HLB. Deshalb hat die Gewerkschaft der HLB jetzt ein Ultimatum gesetzt. Bis spätestens 15. Januar soll das landeseigene Unternehmen einen Gesprächstermin nennen, um einen Lokomotivführertarifvertrag auszuhandeln. Er soll die bisher geltenden Tarifverträge der HLB Basis AG, der Hessenbahn und der Vectus Verkehrsgesellschaft ablösen. Für die nordhessische Cantus Verkehrsgesellschaft gibt es eine solche Forderung nicht. Noch nicht.

GDL-Chef Claus Weselsky: „Wir haben hohe zweistellige Lohnforderungen an die Privatbahnen und werden diese notfalls mittels Arbeitskampf durchsetzen.“ Bei den rund 300 Privatbahnen in Deutschland würden bis zu 30 Prozent weniger an Lokführer und Fahrpersonal gezahlt als bei der Bahn AG, erklärte GDL-Sprecherin Gerda Seibert.

Mittelfristig streben die Lokführer an, die Gehälter aller Lokführer bei Privatbahnen an das Niveau der staatseigenen Bahn anzugleichen. Lokführer sollen unabhängig vom Arbeitgeber etwa 2300 Euro Einstiegsgehalt bekommen. Manche Privatbahnen zahlen dagegen bisher nur etwa 1500 Euro monatlich.

Unabhängig von der GDL-Forderung verhandelt die Hessische Landesbahn derzeit mit den Eisenbahngewerkschaften Transnet und GDBA sowie der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di über neue Tarife. Bei der HLB-Tochter Cantus in Kassel ist Ver.di nicht an Tarifgesprächen beteiligt, erklärte HLB-Geschäftsführer Veit Salzmann. Er ist zuversichtlich, dass die Tarifgespräche ohne Streiks und damit ohne Behinderungen im Bahnverkehr abgeschlossen werden können.

Auf die GDL-Forderung nach einem Einstieg in Tarifverhandlungen hat die HLB bis gestern nicht reagiert. Gleichwohl verlautete, dass die Landesbahn zu Sondierungsgesprächen bereit ist. Auch die GDL schlägt noch eher moderate Töne an: „Wir werden nicht sofort die Streikkeule auspacken“, sagte GDL-Sprecherin Seibert gestern.

Unbestritten ist, dass die GDL unter HLB-Beschäftigten signifikante Zulaufzahlen hat, während Transnet und GDBA Mitglieder verlieren. Hintergrund: Die nur knapp 35 000 Mitglieder starke GDL bot dem Bahngiganten DB vor zwei Jahren die Stirn und handelte für Lokführer bis zu elf Prozent mehr Lohn aus. Das steigerte ihre Attraktivität und wirkt nach. Einige Transnet- und GDBA-Mitglieder sehen zudem die Fusionspläne beider Bahngewerkschaften kritisch.

Die Lokführer verhandeln also mit breiterer Brust. So haben sie beispielsweise der Saarbahn eine so genannte Netzbeschränkung abgerungen. Folge: Die Saarbahn darf sich erst um neue Strecken bewerben, wenn ihr Lokführergehalt das DB-Niveau erreicht hat. Das könnte auch der HLB drohen. Und später Cantus.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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