Rhein: Münch ist Mann mit Herz und Verstand

Die Uniform bleibt künftig im Schrank: Udo Münch (54), bislang Inspekteur der Polizei, ist neuer Landespolizeipräsident.

Wiesbaden. Seine Verbundenheit mit den Schutzleuten ist Udo Münch (54) wichtig: „Die schwierigste Entscheidung heute war, die Uniform im Schrank hängen zu lassen.“ Als Inspekteur bei der Polizei trug er sie täglich.

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In seinem neuen Amt als Landespolizeipräsident erscheint Münch jedoch im dunklen Anzug. Gefremdelt hat der gebürtige Mainzer mit der neuen Rolle nicht, denn Führung ist ihm vertraut. Er ist seit 35 Jahren dabei und hat sich hochgearbeitet. Nun will er es ganz anders machen als sein geschasster Vorgänger Norbert Nedela.

Soziale Kompetenz

Nicht, dass er das wörtlich sagt. Allein die Aufgaben, die er und Innenminister Boris Rhein (CDU) sich vorgenommen haben, sprechen Bände: Die Polizei soll transparent arbeiten, konstruktive Kritik erlauben, neben fachlicher auch soziale Kompetenz fördern. Wenn die Abgrenzung zu Nedela noch deutlicher werden soll, ergreift Rhein das Wort: „Ich akzeptiere keine sogenannten schwarzen Akten“, sagt der Minister, „und auch keine Kaderbildung“.

Münch, dem Rhein „Herz und Verstand“ bescheinigt, verspricht keine Wundertaten: „Eine neue Führungskultur kann man nicht verordnen, die muss sich entwickeln. Für mich gilt dabei: Behandle andere wie dich selbst.“ Jeder mache Fehler, aber es sei schwierig, das einzugestehen. Da erlaubt er sich auch einen Seitenhieb auf die Ministerialbürokratie: „Erlasse werden ja auch nie korrigiert, sondern ergänzt.“

Münch weiß, was auf ihn zukommt, denn die Altfälle, die in den letzten Wochen für Schlagzeilen gesorgt haben, muss er nun abarbeiten. Dass man sich bei einem Kollegen, der zu Unrecht suspendiert wurde, entschuldigt, hält er für dringend geboten, sonst bleibe immer etwas an dem Betroffenen hängen. Im Falle des früheren Personenfahnders Jochen Z., der heute auf Schadensersatz klagt, war es anders. Münch weiß, dass das auch Kritik an LKA-Chefin Sabine Thurau ist, die in ihrer Frankfurter Zeit für die vorschnelle Suspendierung des Mannes verantwortlich war. Aber, so Rhein, „es gibt keine Gleichbehandlung im Unrecht.“ Für Thurau, gegen die wegen uneidlicher Falschaussage ermittelt wird, gelte bislang die Unschuldsvermutung.

Ombudsmann möglich

Die Forderung der SPD, einen Landespolizeibeauftragten zu schaffen, der als unabhängiger Ansprechpartner fungiert, kommt bei Münch und Rhein besser an als bei ihren Vorgängern Nedela und Volker Bouffier: „Es gibt Probleme“, räumen beide ein. Auch wenn es, so Münch, nur Einzelfälle seien.

Dessen ungeachtet sieht es der ledige Vater eines Kindes vornehmlich als seine Aufgabe an, „eine neue Vertrauenskultur zu schaffen“. Dabei hatte er, als er bei der Polizei anfing, nur den Wunsch, einmal Stationsleiter in Bischofsheim zu werden. „Das war 1975“, flachst Rhein, „da war ich drei Jahre alt.“ Münch schluckt und grinst. Zwischen diesen beiden scheint die Chemie zu stimmen.

Quelle: HNA

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