Der Luchs hat sich in Hessen wieder angesiedelt - Forscher beobachten Wanderungen der Wildkatze

Mehr wilde Tiere in den Wäldern

Größte Wildkatze Europas: Der einst ausgestorbene Luchs ist in die hessischen Wälder zurückgekehrt. Er wandert weite Strecken. Foto: dpa

Kassel. „M2“ kam im November aus Niedersachsen nach Hessen. Er durchstreifte den nördlichen Werra-Meißner-Kreis, den südlichen Kreis Kassel und Teile des Schwalm-Eder-Kreises. Seine Wege wurden per GPS genau verfolgt. Bei dem Tier mit dem seltsamen Namen handelt es sich um eine Wildkatze, die jahrzehntelang in Hessen nicht gesichtet worden war und sich nach und nach wieder ansiedelt: einen Luchs.

„M2“ erhielt seinen Namen von Forschern des Nationalparkes Harz, die ihn und seine Artgenossen „M1“ und „M3“ beobachteten. Für das Projekt waren seit dem Jahr 2000 mehrere Luchse im Harz ausgewildert worden. Sie haben sich seitdem diesen Lebensraum zurückerobert. Die Forscher wollten genauer wissen, ob es den „Pinselohren“ auch gelingt, sich außerhalb des Harzes anzusiedeln. Das Ergebnis, vom Arbeitskreis Hessenluchs auf seiner Homepage dokumentiert: Die Luchse suchen sich Reviere, die teils weit vom Harz entfernt liegen, so auch in Hessen. Sie wandern auf der Suche nach dem idealen Platz weite Strecken.

Der Naturpark Harz informiert den Arbeitskreis Hessenluchs und die Naturschutzbehörden laufend über die Bewegungen von „M2“. Von dem Luchs gab es täglich mehrere Signale über den Sender.

Größte Wildkatze Europas

Der Luchs, die größte Wildkatze Europas, galt nach Angaben des Arbeitskreises Hessenluchs seit 1833 als ausgerottet. Das letzte Exemplar soll damals im Odenwald erlegt worden sein. Mitte der Achtzigerjahre sahen dann Forstarbeiter im Landkreis Waldeck-Frankenberg auf einem Waldweg ein etwa rehgroßes Tier. Schnell war klar: Der Luchs war zurückgekehrt. Später gab es einzelne Begegnungen mit Luchsen. Man nahm damals jedoch an, dass die Wildkatzen aus Wildparks entflohen waren.

Lange Zeit blieb es dann still um die Wildkatze, ab September 1999 sollen einige Exemplare im Werra-Meißner-Kreis gesichtet worden sein. Auch im Reinhardswald war offenbar ein Luchs unterwegs. Im September 2005 lief bei Marburg gar ein Luchs durch den Aufnahmebereich einer Überwachungskamera an einem Waldgrundstück. Gab es in dieser Zeit immer nur einzelne Beobachtungen, ist der Luchs mittlerweile in Hessen wieder klar nachgewiesen. Über die Gesamtzahl der Tiere kann der Arbeitskreis allerdings nur spekulieren. Da die Tiere einen großen Aktionsradius haben, kann ein und dasselbe Tier in verschiedenen Kreisen gesichtet werden.

Auch der Verein RhönNatur und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) haben eine vermehrte Population von Wildkatzen in Hessen registriert. RhönNatur schätzt, dass rund 500 Wildkatzen durch die hessischen Wälder streifen, etwa 100 mehr als noch vor fünf Jahren.

Grüne Korridore

Der BUND führt das nach Angaben von Landesgeschäftsführer Thomas Norgall auch auf Hilfsprojekte zurück. Die Organisation legt seit Ende 2007 grüne Korridore aus Büschen und Bäume für die Tiere an. Das ambitionierte Ziel sind Wanderwege für Wildkatzen auf einer Länge von 20 000 Kilometern. Trotzdem seien die Tiere in großer Gefahr, meint der BUND. Durch die Zunahme von Verkehr, Siedlungsgebieten und Landwirtschaft würden die Tiere auf wenige Restlebensräume zurückgedrängt. Diese seien wie Inseln im Meer. Ohne Vernetzung der Lebensräume hätten die Wildkatzen auf Dauer keine Überlebenschance. Mehr Informationen unter www.luchs-in-hessen.de www.bund.net www.rhoennatur.de

Von Peter Klebe

Quelle: HNA

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