Lautenschläger zu K+S-Entsorgungsplänen: "Zu viele Unwägbarkeiten"

Ministerin: K+S soll Pipeline "endlich zum zentralen Bestandteil seiner Strategie" machen

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Hessens Umweltministerin Silke Lautenschläger kritisiert K+S.

Kassel/Heringen. Hessens Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) hat den Kasseler Düngerkonzern K+S aufgefordert, den Bau einer Abwasserleitung aus dem Kalibergbaugebiet an der Werra zur Nordsee "endlich zum zentralen Bestandteil seiner Strategie" zu machen.

Im Vorfeld eines gemeinsamen Auftritts mit ihrem Thüringer Amtskollegen Jürgen Reinholz am Kalistandort Heringen (Kreis Hersfeld-Rotenburg), wo am Montagnachmittag das Votum des runden Tisches zur Werraversalzung offiziell übergeben werden sollte, äußerte sich Lautenschläger gegenüber der HNA.

Dabei nannte die Ministerin eine Fernleitung zum Meer den "Plan B" gegen die seit langem beklagten Schäden und Risiken aus der Entsorgung von Kaliabwässern in Werra und Weser sowie in tiefe Gesteinsschichten des Plattendolomit.

Die CDU-Politikerin zur Pipeline:"Damit können die Entsorgungsprobleme nachhaltig gelöst werden: Entlastung des Grundwassers und umfassende Verbesserung der Gewässerqualität an Werra und Weser sowie Erhalt der Arbeitsplätze vor Ort!"

In dieselbe Richtung hatte Anfang Februar auch der runde Tisch votiert: Er forderte mit großer Mehrheit ebenfalls die Fernleitung sowie ein Ende von Versenkung und Einleitung in die Flüsse"spätestens ab 2020". Dagegen steht eine Strategie, die bei K+S bislang erste Wahl ist: Die „Neue Integrierte Salzlaststeuerung“ (NIS) soll das Versenken von Abwässern mit Zurückfördern kombinieren. Damit will das Unternehmen langfristig den Druck im Untergrund senken, den Laugenaufstieg bremsen und die Salzabwässer in der Werra höher verdünnen.

Zusätzlich hat K+S im Herbst 2008 bekanntgegeben, mit Investitionen von 360 Mio. Euro seine Produktionsabwässer bis 2015 deutlich auf dann noch sieben Millionen Kubikmeter jährlich zu reduzieren.

Die Forderung nach der Pipeline - so das Kasseler Unternehmen - lasse die fehlende Zustimmung Niedersachsens außer acht und klammere "bewusst betriebswirtschaftliche Aspekte" einer Röhre zum Meer aus, deren Kosten auf 400 bis 500 Mio. Euro geschätzt werden.

Lautenschläger am Montag gegenüber der HNA zu den Plänen des Kasseler Konzerns: "Bisher hat das Unternehmen den Nachweis nicht führen können, dass die „Neue Integrierte Salzlaststeuerung“ tatsächlich funktioniert. Da sind zu viele Unwägbarkeiten als dass man sagen könnte: Darauf bauen wir!" Die Idee "klingt erst mal gut - praktisch läuft das Ganze auf die Fortführung der Versenkung in alter Weise mit einer intensivierten Rückförderung hinaus".

Und die Versenkung gilt dem hessischen Umweltministerium mittlerweile als hochriskant: Große Mengen der seit 1925 versenkten Kaliabwässer an der Werra sind aufgestiegen und im Buntsandstein unterwegs. Daraus seien "schädliche Auswirkungen auf schützenswerte Grundwasserbereiche zu befürchten", warnte Lautenschläger.

Am Wochenende hatte das Kasseler Regierungspräsidium bestätigt, dass es einen Teilwiderruf alter Versenkerlaubnisse plant: K + S soll danach in den Jahren 2010 und 2011 statt maximal 18 Mio. Kubikmetern Abwasser nur noch höchstens acht Millionen Kubikmeter im Untergrund deponieren dürfen. (wrk)

Quelle: HNA

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