Missbrauch an der Odenwaldschule: Kritik an Umgang mit Opfern

Heppenheim. „Gravierende Defizite“ in der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule sieht der hessische Landtagsabgeordnete Marcus Bocklet (Grüne).

„Es ist eine Unverschämtheit, wie die Schule mit den Opfern umgeht“, sagte Bocklet in einem Interview der „Frankfurter Rundschau“ (Samstag). „Es wird alles getan, um die Schule zu schützen, und es wird ganz wenig getan, um zügig und schnell den Opfern finanzielle Hilfe zu Gute kommen zu lassen.“

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Die Zeitung hatte vor einem Jahr den Missbrauch von Schülern durch Lehrer öffentlich gemacht. Inzwischen gibt es mindestens 132 Betroffene. Die sexuellen Übergriffe liegen meist Jahrzehnte zurück und gelten strafrechtlich als verjährt. Bocklet ist laut Zeitung auch Berichterstatter einer Petition von Missbrauchsopfern.

Die Schule im südhessischen Heppenheim will die Opfers mittels einer Stiftung entschädigen. Der genaue Umfang der Zahlungen und der Ablauf sind noch unklar. Auch der Opfer-Verein „Glasbrechen“ hatte vor einigen Tagen bedauert, dass das Elite-Internat mit der Entschädigung noch nicht weit genug sei. Es gebe eine „völlig unnötige, gleichzeitig aber aufreibende Auseinandersetzung mit den Institutionen der Odenwaldschule“.

Bocklet sieht auch ein Versagen der Schulaufsichtsbehörden. Er erkenne eine „gewisse Schonhaltung gegenüber dieser Schule“, sagte er der Zeitung weiter. Wenn die Odenwaldschule „es nicht schafft, nach außen glaubhaft zu signalisieren, dass sie ihre Strukturen und ihr Verhalten wirklich verändern kann, dann wird sie in ganz, ganz schwierige Zeiten geraten“. (dpa)

Quelle: HNA

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