Misshandelte Siri: Keine Strafe für Sozialarbeiterin  

Wetzlar. Die mit dem Fall der zu Tode misshandelten Siri betraute Mitarbeiterin des Jugendamtes Wetzlar ist am Donnerstag vom Gericht freigesprochen worden.

Körperverletzung durch Unterlassen und eine „fahrlässige Begehensweise“ seien der Frau nicht vorzuwerfen, sagte der Vorsitzende Richter des Wetzlarer Amtsgerichts.

Bei den Besuchen der Sozialarbeiterin in der Familie habe zwar eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes bestanden, „das wissen wir aber erst jetzt“. Die Angeklagte habe eine Beurteilung des Falles vorgenommen, „die sich im Nachhinein als falsch erwiesen hat“, fügte er hinzu.

Monatelang misshandelt

Siri war monatelang von ihren Eltern misshandelt worden und im Mai 2008 an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas gestorben. Das Baby erlitt Knochenbrüche und Hämatome, es wurde mit heißem Wasser verbrüht und aus dem Schlaf geschreckt.

Ihre Eltern wurden zu lebenslanger Haft wegen Mordes an ihrer Tochter verurteilt. Die 29-jährige Sozialarbeiterin war zwei Wochen vor dem Tod des acht Monate alten Babys bei der Familie und sprach die Eltern auf ein Pflaster im Gesicht des Kindes an. Sie glaubte der Erklärung der Eltern, Siri habe sich beim Krabbeln gestoßen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Mädchen dem Gutachten eines Rechtsmediziners zufolge bereits mehrere Knochenbrüche.

Nach Ansicht des Gerichts verstanden es die Eltern, der Jugendamtsmitarbeiterin ein Schauspiel vorzuführen. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Geldstrafe von 2.500 Euro auf Bewährung gefordert. Der Vertreter der Anklage hielt die Sozialarbeiterin der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen für schuldig. Sie habe bei ihrem zweiten Hausbesuch in der Familie das Pflaster im Gesicht des Kindes nicht gemeldet und damit fahrlässig gehandelt. Der Anwalt der Frau hatte auf Freispruch plädiert. (dapd)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare