Misshandeltes Baby: Sozialarbeiterin wegen toter Siri wieder vor Gericht

Limburg. Monatelang wurde die kleine Siri gequält, dann zertrümmerten die Eltern dem Baby den Schädel. Für den Mord wurden Vater und Mutter bereits verurteilt. Nun steht fast drei Jahre nach dem Tod des Mädchens erneut eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Wetzlar vor Gericht.

Die 29-Jährige hatte im April 2008 die Familie besucht, zwei Wochen später brachten die Eltern ihr etwa acht Monate altes Kind um. Die Staatsanwaltschaft wirft der Sozialarbeiterin fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen vor. Die Frau habe die Verletzungen bei dem Baby erkennen und so spätere Misshandlungen vermeiden können. Die Frau stritt dies am Donnerstag vor dem Landgericht Limburg ab.

Vor dem Amtsgericht war die Jugendamtsmitarbeiterin in erster Instanz freigesprochen worden. Dagegen hat die Staatsanwaltschaft erfolgreich Berufung eingelegt. Zu Beginn des neuen Limburger Prozesses regte das Landgericht an, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen. Das lehnte die Staatsanwaltschaft ab. Sie will als Zeugen unter anderem auch die Eltern von Siri hören. Für Donnerstagnachmittag war die Mutter geladen. Sie soll Auskunft darüber geben, ob im April 2008 Verletzungen bei ihrer Tochter sichtbar waren. Die Sozialarbeiterin war vermutlich eine der letzten, die das Baby noch lebend sahen.

In ihrer Aussage betonte die 29-Jährige, sie habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. „Ich habe damals keine Anzeichen für Gewalteinwirkung gesehen.“ Das Baby habe lediglich ein Pflaster auf der Stirn gehabt. Die Eltern hätten ihr aber plausibel erklärt, dass sich das Kind verletzt habe, als es versuchte aufzustehen. Ein Sachverständiger hatte im ersten Prozess vor dem Amtsgericht erklärt, dass die Verletzungen nur schwer zu erkennen gewesen seien. Siris Eltern sind rechtskräftig wegen Mordes und Kindesmisshandlung zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren gilt wegen der besonderen Schwere der Schuld als ausgeschlossen. (dpa)

Quelle: HNA

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