Mitarbeiter der Stadt veruntreute Million- Marburg sucht Erklärung

Ein Mitarbeiter der Stadt Marburg soll eine Millionensumme veruntreut haben. Seine Machenschaften wurden jahrelang nicht bemerkt. Ein Ausschuss soll nun klären, wie der mann immer wieder in die Stadtkasse greifen konnte, ohne dass es auffiel.

Marburg. Die Stadt Marburg rätselt, wie einer ihrer Mitarbeiter offenbar über Jahre hinweg eine Millionensumme in die eigene Tasche stecken konnte. Die Stadtverordnetenversammlung will mit einem Ausschuss von diesem Mittwoch an klären, warum die Machenschaften so lange unentdeckt blieben.

Der Beamte soll über mehr als zehn Jahre hinweg insgesamt etwa 1,5 Millionen Euro veruntreut haben. Aufgeflogen war er im Januar. Der Fall habe die Stadtverwaltung „bis ins Mark getroffen“, sagte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD).

In einer Erklärung des Rathauschefs heißt es, der Beamte sei in der städtischen Beihilfestelle tätig gewesen und vom Dienst suspendiert worden. Das Bearbeiten von Beihilfeanträgen, bei denen es um Zuschüsse für Krankheitskosten für Beamte geht, sei mittlerweile an die Versorgungskasse in Kassel abgegeben worden.

Medienberichten zufolge soll der Mann bei Überweisungen an die Antragsteller auch sich selbst bedacht haben. „Eigentlich hätte das auffallen müssen“, sagte der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Heinz Ludwig (Bürgerliste) auf Anfrage. Der Ausschuss solle nun untersuchen, „wer, was und wann hätte prüfen müssen“. In dem Gremium sollen alle Parteien des Parlament vertreten sein.

Auch der rot-grüne Magistrat lässt den Fall untersuchen. Das Prüfungsamt habe einen entsprechenden Fragenkatalog erhalten, das Regierungspräsidium sei eingeschaltet worden. „Ziel ist es, einen Bericht zu erhalten, der die Vorgänge lückenlos und transparent aufarbeitet“, erklärte Rathauschef Vaupel. Die Staatsanwaltschaft Marburg ermittelt gegen den Beamten wegen Untreue in einem besonders schweren Fall.

Sie geht von einem Schaden von nur rund 650 000 Euro aus, weil einige Fälle verjährt sein könnten, wie eine Behördensprecherin sagte. Anklage sei noch nicht erhoben worden. Kommt die Sache vor Gericht, drohen dem Mann bis zu zehn Jahre Haft.  (lhe)

Quelle: HNA

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