Wanderfische aus Mittelhessen gehen auf eineinhalbjährige Reise in Richtung Bahamas

Mitfahrgelegenheit für 96 Lahn-Aale

Jürgen Schwarz, Vorsitzender des Fischereivereins Marburg, kippte gestern in Cölbe in der Lahn gefangene Aale in einen Spezialbehälter, mit dem die Tiere nach Lahnstein am Rhein gebracht werden. Foto: dpa

Cölbe. 96 Aale aus Mittelhessen haben auf dem Weg zu ihren fernen Laichgewässern Hilfe von Fischfreunden bekommen. Diese schickten die Tiere am Freitag in Spezialbehältern von Cölbe bei Marburg nach Lahnstein (Rheinland-Pfalz) an den Rhein.

Von dort aus sollen sich die Aale auf ihre lange Reise zur Sargassosee in der Nähe der zu Mittelamerika zählenden Bahamas machen. Das Projekt haben das Regierungspräsidium (RP) Gießen und Fischereivereine initiiert. Es erspart den Wanderfischen einen Teil des Weges durch die Lahn und soll ihnen helfen, ihr fernes Ziel auch zu erreichen.

„Auslöser für die ungewöhnliche Maßnahme sind die zurückgehenden Aal-Fangzahlen an der Lahn“, sagte RP-Fachmann Walter Fricke. Es gebe immer weniger Exemplare in dem Fluss – auch, weil er schwierig zu passieren sei. Den Weg behindern Wehre oder Wasserkraftwerke mit ihren Turbinen, an denen sich die Tiere verletzen oder sterben können.

Fricke zufolge soll es zwar bald freie Fahrt für den Aal geben. Bis aber entsprechende Projekte fruchteten, könnte es für ihn zu spät sein. „Im Rhein haben es die Strömungsschwimmer leichter, da er für sie vollständig frei von Barrieren ist, sagte er. Also dachten sich Angelvereine und Fischereibehörde das Fang- und Transportsystem aus.

Dafür holten Helfer vor etwa acht Wochen Blankaale aus der Lahn, die sich bereits zu ihrer großen Wanderung aufgemacht hatten. Dann ging es für die schlangenartigen Fische in eine Anlage nach Cölbe. Am Freitag wurden sie in einen Transporter geladen, zur Flussmündung nach Lahnstein gebracht – und im Rhein in die Freiheit entlassen. Die Behörde hofft, dass die Fische es von dort über die Nordsee in den Atlantik schaffen. Die Reise dauert bis zu eineinhalb Jahre. (dpa/jum)

Quelle: HNA

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