Nach brutalem Überfall im eigenen Haus: Pfarrer betet auch für die Täter

Will weiterhin offene Tür für die Menschen: Pfarrer Thomas Maleja wurde in seinem Haus überfallen. Foto: Thonicke

Flieden. Thomas Maleja geht es gut, auf den ersten Blick. Die Wunden sind verheilt, nur in der linken Wange gibt es ein taubes Gefühl. Schlafen kann der 47-Jährige seit dem brutalen Überfall auf ihn aber nicht mehr gut.

Und wenn er nachts aufsteht, macht er überall im Haus das Licht an. Thomas Maleja ist Pfarrer der katholischen St. Goar-Gemeinde in Flieden bei Fulda. Und er ist ein Opfer brutaler Gewalt.

Es ist kurz vor Weihnachen, der 22. Dezember, ein Uhr mitten in der Nacht. Im Pfarrhaus aus dem Jahr 1873 schlafen in ihren Zimmern zwei Männer: Pfarrer Thomas Maleja und der Kaplan Jürgen Kämpf.

Maleja wird plötzlich aus dem Schlaf gerissen. Vor ihm stehen drei maskierte Männer. Einer hat eine Pistole in der Hand, ein anderer eine Schaufel. Damit drischt er den Pfarrer auf den Kopf. Der bricht blutüberströmt zusammen. Die Männer zwingen ihn trotzdem, den Tresor zu öffnen. Es ist mehr Geld als sonst im Pfarrhaus: 5000 Euro. Ein großer Teil sind Spenden von Gemeindemitgliedern, die für ärmere Gemeinden - unter anderem in Afrika - bestimmt sind.

Die Täter fesseln den Kaplan und den Pfarrer, treten Thomas Maleja, der am Boden liegt, mit Füßen ins Gesicht. Dann flüchten sie. Eine heiße Spur gibt es auch heute noch nicht.

Die äußeren Wunden des Pfarrers sind mittlerweile verheilt - die inneren wohl noch nicht ganz. Ein Psychotherapeut redet mit dem Geistlichen über das Trauma, das er erlitten hat. Thomas Maleja geht einige Tage ins Kloster. Beten hilft.

Der Pfarrer denkt dabei auch an die Männer, die ihm das alles angetan haben, schließt sie in die Gebete ein. „Ich würde gerne in die Gesichter hinter den Masken sehen, mit ihnen reden.“ Das Wort „bekehren“ nimmt der Geistliche nicht in den Mund. Aber vielleicht sei es nicht zu spät, dass die Verbrecher ihren Lebensweg doch noch ändern.

Mehr über Pfarrer Maleja lesen Sie in der Printausgabe.

Quelle: HNA

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