Streit um Entschädigung der Missbrauchs-Opfer: Führungsduo der Odenwaldschule tritt zurück

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Heppenheim. Die von einem Missbrauchsskandal erschütterte Odenwaldschule steht schon wieder ohne Führungsspitze da. Sie trat am Sonntag überraschend zurück.

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Im Streit um eine schnelle Entschädigung der inzwischen 125 Opfer haben die für einen rigorosen Neuanfang stehenden Vorstände Johannes von Dohnanyi und Michael Frenzel am Sonntag in einer Sitzung überraschend aufgegeben, wie von Dohnanyi sagte. Sie waren nur ein halbes Jahr im Amt.

Die Missbräuche liegen schon viele Jahre zurück und gelten laut Staatsanwaltschaft als verjährt. Vorstandssprecher von Dohnanyi und Vorstandsvorsitzender Frenzel hatten sich für eine zügige finanzielle Anerkennung des Leids eingesetzt. Sie betrachteten dies als unbedingte Voraussetzung für einen Neuanfang der Reformschule.

Sie hatten angekündigt, noch in diesem Jahr einen sechsstelligen Betrag zur Verfügung stellen zu wollen. Von Dohnanyi teilte zur Begründung mit, in den vergangenen Wochen habe sich innerhalb der Schulleitung und des Trägervereins eine Gruppe gebildet, die eine schnelle Anerkennung des Missbrauchs wegen der angespannten Finanzlage der Schule ablehne. „Wir hoffen, der Schule mit unserer Entscheidung einen Weg eröffnet zu haben, die drängenden Probleme nun endlich konstruktiv und solidarisch anpacken zu können“, erklärte er in der Mitteilung. Ein Ende des Führungschaos'' war zunächst nicht in Sicht.

Der alte Vorstand war Ende März 2010 wegen des Skandals unter Druck geraten und zurückgetreten. Die Odenwaldschule kündigte für den späten Nachmittag eine Erklärung an. Die Zahl der Missbrauchsopfer hat sich inzwischen auf 125 deutlich erhöht. Bisher war von über 50 Betroffenen in den Jahren von 1966 bis 1991 ausgegangen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen etwa ein Dutzend Lehrer, stellte die Verfahren aber meist wegen Verjährung ein. (dpa)

Quelle: HNA

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