Fuldaer Streptokokkenfall wird zur Affäre

OP-Praxis fiel schon 2008 auf

P. Müller-Klepper

Wiesbaden / Fulda. In dem ambulanten Operationszentrum im Fuldaer Bardohaus, in dem sich drei Patienten mit Streptokokken infiziert haben sollen und einer Frau als Folge ein Bein amputiert werden musste, waren bereits 2008 Hygienemängel festgestellt worden.

Das Gesundheitsamt Fulda hatte dem Arzt neben der Mängelbehebung damals empfohlen, unbedingt einen externen Hygienefachmann zu konsultieren. Das berichtete Gesundheitsstaatssekretärin Petra Müller-Klepper (CDU) gestern im Gesundheitsausschuss des Landtags. Der Arzt habe anschließend schriftlich mitgeteilt, die Mängel seien abgestellt worden. Einen Fachmann habe er offenkundig nicht hinzugezogen, so die Staatssekretärin.

Der Ausschuss zeigte sich äußerst irritiert darüber, dass die Behörde sich mit einer schriftlichen Mitteilung begnügt habe und keine erneute Überprüfung erfolgt sei. Ralf-Peter Bartelt (CDU) sagte, eine Mitteilung reiche allenfalls bei „formalen Mängeln oder Banalitäten“. Genaueres konnte das Ministerium mit Rücksicht auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen aber nicht sagen.

Thomas Spies

Fest steht, dass die Mängel, die zu der aktuellen Infektion führten, gravierend gewesen sein müssen. Die Wiederaufnahme des von der Behörde untersagten OP-Betriebs sei nur nach umfänglichen Struktur- und Prozessveränderungen in der Praxis möglich, so Müller-Klepper. Das von der Staatsanwaltschaft angeforderte Gutachten soll kommenden Montag vorliegen.

Der aktulle Fall lenkt den Blick erneut darauf, dass Hessen keine eigene Hygieneverordnung hat. Diese war von SPD und Grünen bereits bei den Salmonellenvergiftungen im Fuldaer Klinikum 2007 gefordert worden. Thomas Spieß (SPD) sagte gestern, es sei dringend mehr Prävention erforderlich - und zwar sowohl in Kliniken als auch in ambulanten Operationszentren.

2007 hatte die damalige Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) auf die gültigen Krankenhaus-Hygienerichtlinien des Robert-Koch-Instituts hingewiesen. Müller-Klepper sagte gestern dagegen, diese seien zwar „fachlicher Konsens“, aber nicht „verpflichtend“.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) mahnte erneut eine Hygiene-Verordnung in Hessen an. Das Gesundheitsministerium stellte sie für die Zeit nach der Novellierung des Krankenhausgesetzes in Aussicht.

Von Petra Wettlaufer-pohl

Quelle: HNA

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