Orkantief „Xynthia“ wirbelt Hessen durcheinander

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Frankfurt/Main. Orkantief „Xynthia“ hat am Sonntag in ganz Hessen den Verkehr behindert, schwere Schäden angerichtet und für Dauereinsätze von Polizei und Feuerwehr gesorgt. „Es ist alles im Einsatz, was fahren und laufen kann“, sagte ein Polizeisprecher in Frankfurt.

Sturmtief Xynthia in der Region

In Taunusstein wurde ein 69 Jahre alter Wanderer von einem Baum erschlagen. Am Frankfurter Hauptbahnhof wurde aus Sicherheitsgründen und wegen Sturmschäden kurz nach 14.00 Uhr der Verkehr eingestellt, wie ein Bahnsprecher sagte. Am Abend fuhren wieder vereinzelt Züge. Auch bei den S-Bahnen kam es zu erheblichen Störungen. Der Fernbahnhof am Flughafen wurde gegen 13.30 Uhr wegen umherfliegender Glassplitter vorsorglich gesperrt. Auf der Baustelle des Airrail-Centers - über dem Bahnhof - hatte der Sturm Baumaterial hochgewirbelt und gegen die Scheiben des Bahnhofs geschleudert. Dabei seien einzelne Glasscheiben im Dach und an der Außenfassade des Bahnhofs zersplittert, sagte der Sprecher der Bundespolizei Ralf Ströher. Der Verkehr wurde zwar über den Regionalbahnhof umgeleitet, es kam aber zu erheblichen Verspätungen.

Auch die Autobahn 3 (Köln-Würzburg) zwischen Kelsterbach und dem Flughafen musste stundenlang gesperrt werden. Fassadenteile, Baumaterialien und Werbeplakate waren - ebenfalls von der Airrail- Center-Baustelle - auf die Straßen geweht worden.

Etliche Dächer im Rhein-Main-Gebiet wurden abgedeckt. Mobile Toiletten flogen durch die Luft, Baustellen-Ampeln stürzten um und Bäume wurden entwurzelt und beschädigten parkende Autos und Fahrleitungen der Straßenbahn. Am Abend hatte die Feuerwehr in Frankfurt bereits mehr als 600 Einsätze verzeichnet. Drei Menschen seien durch herumfliegende Gegenstände verletzt worden, berichtete ein Feuerwehrsprecher.

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Orkantief "Xynthia" wütet über Deutschland

Am Flughafen wurden bis zum Abend fast 240 von 1270 Starts und Landungen gestrichen. Bei starkem Wind dürfen aus Sicherheitsgründen deutlich weniger Flugzeuge pro Minute landen als normalerweise. Daher waren auch zahlreiche Maschinen um bis zu rund zwei Stunden verspätet. „Das wird noch bis zum Morgen dauern, bis es wieder einigermaßen rund läuft“, sagte ein Sprecher.

In ganz Hessen mussten Bundes-, Landes- und Kreisstraßen gesperrt werden, weil Bäume umgestürzt waren. In mehreren Orten in Nord-und Mittelhessen fielen Bäume auch in Stromleitungen. Nach Angaben vom Netzbetreiber E.ON Mitte AG waren in Nordhessen besonders die Regionen Frankenberg, Homberg und Bad Hersfeld sowie Bebra betroffen.

In Mittelhessen kam es zeitweise zu Stromausfällen in Merkenbach, Gladenbach und Esserhausen. Zeitweise waren bis zu 20 000 Einwohner von den Stromausfällen betroffen. Auch in anderen Regionen, wie dem Rheingau und im Taunus, fiel immer wieder der Strom aus. Die Fähren über den Main stellten ihren Betrieb ein.

Zwischen Fulda und Hanau steckte ein Intercity-Express mit rund 800 Reisenden nach einer Kollision mit einem entwurzelten Baum etwa drei Stunden auf freier Strecke fest. Der ICE 277 von Hamburg über Frankfurt nach Zürich sei gegen 14.00 Uhr gegen den Baum gefahren, berichtete die Bahnpolizei in Frankfurt. Der Lok-Führer habe den Zusammenstoß trotz einer Notbremsung nicht mehr verhindern können. Erst nach fast drei Stunden konnte der Zug im Schritttempo nach Bad Soden-Salmünster fahren, wo die Reisenden in einen Ersatzzug umsteigen sollten.

Im osthessischen Hünfeld wurde ein Teil des Daches einer Schule ein Opfer von „Xynthia“. Dachteile stürzten dabei auf ein benachbartes Schulgebäude und beschädigten dieses. Auch in anderen Teilen des Bundeslandes wurden zahlreiche Dächer abgedeckt. Wegen des hohen Wasserpegels des Mains mussten die Parkplätze am Frankfurter Flussufer geräumt werden. Autofahrer, die ihre Wagen in den Stadtteilen Höchst und Sachsenhausen abgestellt haben, wurden gebeten, ihre Fahrzeuge vorsichtshalber weg zu fahren, wie die Polizei in Frankfurt sagte.

dpa/lhe

Quelle: HNA

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