Pranger für Mogeletiketten im Internet

Die Verbraucherzentralen eröffnen kommende Woche das Internetportal www.lebensmittelklarheit.de - Kunden können dort Produkte nennen, von denen sie sich getäuscht fühlen.

Die Verbraucherschützer gehen den Vorwürfen nach. Entwickelt hat das Angebot die Verbraucherzentrale Hessen. Abschrecken soll die neue Internetseite, wenn dort Lebensmittel genannt werden, deren Etiketten Kunden täuschen. Wir sprachen mit Hartmut König, der das Projekt betreut.

Herr König, was ist neu an www.lebensmittelklarheit.de?

Hartmut König: Es ist die Möglichkeit für Verbraucher, Produkte, durch deren Etikettierung sie sich getäuscht fühlen, über einen Online-Fragebogen zu melden. Die Internetredaktion geht dann der Meldung nach, kauft das Produkt ein und prüft, ob die Ansicht nachvollziehbar ist. Wenn das der Fall ist, bekommt der Anbieter die Gelegenheit, sich innerhalb von sieben Tagen zu den Täuschungsaspekten zu äußern.

Und wann werden die Vorwürfe dann online gestellt?

König: Nach Ablauf der Frist werden die anonymisierte Verbraucheranfrage, die Einschätzung der Verbraucherzentrale und die Antwort des Anbieters eingestellt. Fehlt bis dahin noch die Antwort des Anbieters, wird sie erst eingestellt, wenn sie eingegangen ist. Der Verbraucher bekommt natürlich immer eine schriftliche Rückantwort, was mit seiner Meldung passiert ist.

Neu ist auch, dass über das Portal Verbraucher befragt werden können.

König: Ja, wenn sich Verbraucher durch rechtlich erlaubte Produktbezeichnungen trotzdem getäuscht sehen. Beispielsweise erwarten viele Verbraucher bei „Schwarzwälder Schinken“, dass auch die Schweine aus dem Schwarzwald kommen und nicht nur die Herstellung dort erfolgt. Damit man rechtliche Verbesserungen einleiten kann, muss der Nachweis erbracht werden, dass sich viele Verbraucher durch eine bestimmte Kennzeichnung getäuscht fühlen. Dazu dient das Abfrage-Tool im Portal.

Wird die Zeit reichen, wenn Sie zum Beispiel in aufsehenerregenden Fällen plötzlich mit Hunderten Anfragen konfrontiert werden?

König: Die Fristen sind kurz gehalten, damit der Verbraucher seine Beschwerde zügig im Netz wiederfindet. Ziel ist es, ein lebendiges Portal zu schaffen, in dem sich viel Neues tut. Ob sich das in jedem Einzelfall so umsetzen lässt, müssen wir im Moment noch offen lassen. Notfalls müssen zusätzliche personelle Kapazitäten geschaffen werden.

Es gibt rechtliche Bedenken, wenn etwa eine angebliche Verbrauchertäuschung gar kein Rechtsverstoß ist. Wie schützen Sie sich vor falschen Anschuldigungen?

König: Das Portal beschäftigt sich nicht mit eindeutigen Rechtsverstößen, sondern mit all den Widersprüchlichkeiten, Schönungen bis hin zu Täuschungen, die bei der Kennzeichnung und Werbung auf Lebensmittelverpackungen auftreten – also mit dem Graubereich. Halten wir eine Etikettierung für irreführend, mahnen wir nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb ab und stellen das auch im Statusfeld des Portals dar. Bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung nennen wir natürlich auch das Ergebnis, selbst wenn wir keinen Erfolg im Sinne des Verbrauchers gehabt haben. Ist eine Kennzeichnung korrekt, täuscht aber trotzdem einige Verbraucher, dann kommt dieses Produkt nicht in die Rubrik „Getäuscht?“, sondern mit unserer Stellungnahme als anonymisiertes Produkt in den Teil „Erlaubt!“.

Hartmut König

Zur Person: Hartmut König

(62) lebt in Frankfurt und arbeitet seit über 30 Jahren beim Verbraucherschutz. Er leitet die Abteilung Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hessen und ist Mitglied der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission, die Vorgaben für die Kennzeichnung von Lebensmitteln macht. König ist verheiratet und hat drei Kinder.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare