Kommunen pumpen viel Geld in Kläranlagen und doch leiden Hessens Gewässer

Probleme mit Phosphor

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Moderne Kläranlage: Die Kommunen müssen bereits jetzt viel in die Anlagen investieren. Die Kosten können mit einer Verschärfung der EU-Wasserrahmenrichtlinie noch höher werden. Unser Bild entstand in Edertal.

Wiesbaden / Heidenrod. Harald Schmelzeisen (SPD) machte seinem Ärger so richtig Luft: Beim Spatenstich für die Kläranlage des Heidenröder Ortsteils Geroldstein (Rheingau-Taunus) mit seinen gerade mal 90 Einwohnern schimpfte der Bürgermeister: „Wir brauchen überhaupt keinen demografischen Wandel, um unseren Dörfern den Todesstoß zu versetzen.“

Der Bau von Kläranlagen in Kleinstgemeinden sei schon jetzt tödlich für die kommunalen Haushalte. Schmelzeisen sprach von „wasserrechtlichem Wahnsinn“, denn das hoch verschuldete Heidenrod, zu dem 19 Dörfer mit insgesamt 8000 Einwohnern zählen, hat schon mehr als 50 Millionen Euro in Kläranlagen und Abwasserleitungen gesteckt und muss seine Bürger mit hohen Gebühren belasten.

Auch nordhessische Bürgermeister können ein Lied davon singen. Geht es nach den Grünen, dann dürften sich Schmelzeisen und seine Amtskollegen bald erneut aufregen. Denn ihnen geht die Umsetzung der Wasserrechtlichen Rahmenrichtlinie der EU nicht schnell genug. Danach muss die Gewässerqualität auch in Hessen bis 2015 noch erheblich verbessert werden, um Fische und andere Lebewesen zu schützen. Hauptproblem sind zu hohe Phosphoreinträge, die den Algenwuchs und damit den Sauerstoffmangel begünstigen. „Die Landesregierung tut nichts dazu“, kritisiert die Grünen-Landtagsabgeordnete Angela Dorn und fordert schnelle Maßnahmen, die den Phosphorgehalt im geklärten Wasser minimieren sollen. Dass man beim Umweltministerium keinen Druck macht, sondern auf freiwillige Maßnahmen der Kommunen setzt, kann Dorn nicht nachvollziehen.

Thomas Ott vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie ist wegen der hessenweiten Phosphorproblematik ebenfalls besorgt. „Die Wasserqualität wird aber nicht schlechter in Hessen, sie wird höchstens weniger schnell besser.“ Ott hält die Forderung der Grünen nach Zwangsmaßnahmen für überzogen und plädiert dafür, von Fall zu Fall zu prüfen, welche Verbesserungen erforderlich sind, um den Phosphorgehalt kostengünstig zu senken. Denn es könne sein, dass in einigen Jahren ohnehin Filter notwendig würden, um andere Schadstoffe zu eliminieren.

Fristverlängerung

Ott bestätigt zudem, was Angela Dorn befürchtet: Bei der EU werden Fristverlängerungen für die Umsetzung der Richtlinie beantragt. Dies sei bis 2027 möglich und keineswegs ungewöhnlich, so Ott. Auch andere Vorgaben benötigten mehr Zeit.

Beispiel: die Rückkehr zu naturnahen Gewässerstrukturen. Der Rückbau allein eines Drittels der 8400 Kilometer Fließgewässer werde mit 700 Millionen Euro veranschlagt. Dies sei weder finanziell noch in Planung und Ausführung bis 2015 zu leisten. Auch hier müsse man schrittweise vorgehen.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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