Grebensteiner David Roth urteilt darüber, was Mann tragen soll

Als Provokateur ganz groß in Mode

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„Ich bin ein Narziss“, sagt David Roth. Für seinen Blog modelt er schon mal selbst.

Über guten Geschmack lässt sich nicht streiten. Nicht mit David Roth. Denn er ist einer von denen, die nicht streiten, sondern sagen was in und was out ist. Im vergangenen Jahr gründete der 26-Jährige aus dem nordhessischen Grebenstein „Dandy Diary“, ein deutschsprachiges Modeblog für Männer - und besetzte damit eine Marktlücke.

Heute avanciert seines unter den ersten zehn der bekanntesten Männermode-Blogs. Zugegeben: Etwas ungewöhnlich ist das noch. Und ebenso ungewöhnlich ist die Geschichte dahinter: Als 16-jähriger, etwas aufmüpfiger und anstrengender Junge musste er Sozialstunden in der Altkleidersammlung absolvieren, und während die anderen Zigarettenpausen machten, habe er dann angefangen die abgegebenen Kleidungsstücke zu probieren, erzählt Roth. „Noch heute habe ich eine Weste. Die hab ich damals für drei Euro erstanden“, erzählt der Wahl-Berliner und schmunzelt, als könne er dieses Aha-Erlebnis selbst nicht so recht glauben.

Aber so soll es gewesen sein, als David Kurt Karl Roth, im beschaulichen Grebenstein aufgewachsen, beschloss, die Welt ein Stück zu verändern.

Seine Welt ist heute Männermode, die längst nicht mehr nur Typen wie David Beckham bedient. „Immer mehr Jungs interessieren sich für Mode“, sagt Roth. „Und das sind nicht nur Metrosexuelle“, fügt er provozierend hinzu.

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Provokation – das ist das Lieblingsmittel des Modejournalisten und ihm so wichtig ist wie der tägliche Blick in den Spiegel. Er sei, erzählt David, von seinen Eltern - den Grebensteinern Künstlern Georg Roth und Karin Roth-Bohrmann - nie groß reglementiert worden, „auch wenn ich noch so verrückte und polarisierende Dinge gemacht habe“. Vielleicht ist das der Kern seines Erfolgs.

In der Fotostrecke der Fotografin Kaja Smith - einer Sandkastenfreundin aus Grebenstein - sieht das dann so aus: Wenn David sagt, Stoffbeutel als Accessoire sind out, sieht man auf einem Foto den David, wie er sich auf einen Stoffbeutel erbricht. Jenseits des guten Geschmacks? Vielleicht - aber wer definiert guten Geschmack eigentlich?

„Ich bin ein Narziss“, sagt David Roth. Für seinen Blog modelt er schon mal selbst.

Konventionen gelten für Roth, der sein Geld bei einem Mode-TV-Sender verdient, nicht. Mancher mag sich auch an seiner Tätowierung stören, die auf den meisten Bildern zu sehen ist. „Glückselig“ steht in riesiger Schnörkelschrift auf seiner Brust. „Damals eine klassische Jugendsünde, heute ein wichtiger Teil von mir.“

Seine eigene Handschrift in Sachen Modekritik ist weniger schnörkelhaft: Roth redet Tacheles, wenn es um die Ins und Outs geht. „Mein absoluter Lieblingslook ist der Clochard-Look, also viele Lagen übereinander, lässig, fast schon abgewrackt.“ Dazu hat er sich einen riesigen Bart stehen lassen. Cooles Accessoire. Sagt’s und ergänzt lakonisch: „In Kassel gibt es auch einige, die so ausschauen. Dort werden sie Penner genannt. Roth lakonisch: „Wenn es gut läuft, gehe ich auch als Penner durch.“

Von Tatjana Braun

Quelle: HNA

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