Neue Forschungsergebnisse zur Artenvielfalt im Nationalpark Kellerwald-Edersee

Ein Relikt aus der Eiszeit

Gefunden: Quellschnecke.

Kellerwald. Forscher haben in und an den Quellbächen des Nationalparks Kellerwald-Edersee eine Reihe spektakulärer Tierarten entdeckt. Überraschend gelang ihnen erstmals für Deutschland der Nachweis einer Pilzmücke mit lateinischem Namen Coelesia fusca. Zu den seltenen Funden zählen ferner die nur zwei Millimeter große Dunkers Quellschnecke sowie der Alpenstrudelwurm, der als Relikt aus der Eiszeit gilt und nur in absolut sauberem Wasser lebt.

Stefan Zanker, Referent für Biospeläologie beim Landesverband für Höhlen- und Karstforschung, der schon seit 2003 an den Bächen im damaligen Waldschutzgebiet forscht, stellte diese Ergebnisse gestern beim Buchenwaldforum in der Holzfachschule vor. „Diese Entdeckungen wären schon damals mit ein Grund gewesen, dort einen Nationalpark auszuweisen“, meinte er. Und Zanker ist sicher: „Es wir dort noch einige Überraschungen geben.“

Die Quellbäche des Nationalparks zeichnen sich durch eine große Artenvielfalt aus. 494 von rund 800 Quellen wurden laut Zanker bisher erfasst. „Wir haben darin über 700 Arten festgestellt“, sagte er. Für ihn sind die seltenen Funde wichtiges Indiz für einen naturnahen Wald.

Neben der Forschung spielte beim Buchenwaldforum mit über 100 Fachleuten verschiedener Institutionen und Hochschulen und auch privaten Interessenten das Thema der nachhaltigen und multifunktionalen Waldbewirtschaftung zur Sicherung der biologischen Vielfalt eine große Rolle. „Wir versprechen uns wichtige Hinweise, die unsere Arbeit verbessern helfen“, sagte Michael Gerst, Landesbetriebsleiter von Hessen-Forst. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den Entwurf einer Naturschutzleitlinie von Hessen-Forst für den Staatswald. Es gelte, Flächen mit höchstmöglichem Wert für den Naturschutz zu identifizieren, zu sichern und zu entwickeln.

Hessen ist mit 895 000 Hektar Wald laubreichstes Bundesland überhaupt, erläuterte Umwelt-Staatssekretär Mark Weinmeister. 56 Prozent der Wälder setzten sich aus Laubbäumen wie Buche, Eiche, Esche und Ahorn zuammen. Dominierende Baumart sei mit 30 Prozent die Buche.

Das Ministerium setzt nach dessen Angaben auf stabile und widerstandsfähige Mischwälder mit einem hohen Anteil an Laubbäumen, die dem Klimawandel standhalten. Deren Widerstandsfähigkeit zeigte sich auch beim jüngsten Sturm Xynthia, der landesweit 1,2 Millionen Festmeter Holz umwarf, darunter etwa 100 000 Festmeter Buche.

Von Jörg Schade

Quelle: HNA

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