Ministerpräsident will Staatsweingüter zur Top-Adresse in Deutschland machen

Mit Riesling an die Spitze

Eltville. „Steinberger“, Jahrgang 1846, Flasche Nr. 3 aus dem Cabinet-Keller. Vorsichtig zieht Dieter Greiner, Chef der Hessischen Staatsweingüter, den Korken. Er gießt einen Schluck ein, strahlt: „Betörende Frische, trockene Früchte, Harmonie, Geschichte!“ Pure Begeisterung.

Der 164 Jahre alte Wein ist der Höhepunkt einer einmaligen Raritätenprobe im Kloster Eberbach - mit Riesling-Weinen aus drei Jahrhunderten. „Wein-Archäologie“ nennt es Greiner: „Wir zeigen das Fundament der deutschen Weinkultur.“ Vom jungen 2009er „Steinberger“ aus dem Fass reicht die Spanne über mehr als 100 Jahre alte trockene Rieslinge zu sirupartigen Trockenbeerenauslesen und süßen Eisweinen.

Am Ende stehen über 500 Gläser vor der Riege der 20 Tester. Es entfaltet sich die Vielfalt der Riesling-Aromen: Von Blassgelb bis Bernstein reicht die Farbskala, von Lakritz bis Petrol die Duftnote.

20 Experten sitzen im Refektorium des ehemaligen Zisterzienserklosters um den langen Tisch. Darunter professionelle Tester wie die Engländerin Jancis Robinson, Rheingau-Spitzenwinzer Wilhelm Weil oder Sterne-Koch Michael Hoffmann aus Berlin.

Die alten Raritäten sind sonst tief im Keller verborgen. Wenige kommen in Eltville und anderswo bei Auktionen auf den Markt, einzeln, für mehrere hundert oder tausende Euro pro Flasche. Dass sie hier nicht ohne Eigennutz ausgeschenkt werden, macht beim Galadiner Ministerpräsident Roland Koch klar.

Denn der Aufsichtsratsvorsitzende der Staatsweingüter will, dass das größte deutsche Weingut auch zu den besten gehört. Die Rheingau-Winzer sind zuversichtlich, dass auch in 100 Jahren deutscher Riesling gefeiert werden kann. Die Sorge, dass der Klimawandel dem deutschen Weißwein schaden könnte, hält man für abwegig. Mehr Wärme und Sonne ist in den Steillagen sogar nützlich. Wird es zu heiß, kann man die Reife des Weines etwas herauszögern, sagt Greiner. Winzer Weil stimmt zu: „Wir sind die Gewinner der globalen Erwärmung.“ •  Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach Schwalbacher Straße 56 65343 Eltville Tel.: 0 61 23 / 92 300 Fax: 0 61 23 / 92 3090 www.steinbergkeller.de

Von Christian Volbracht

Quelle: HNA

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