Ministerpräsident Bouffier bei CDU-Regionalkonferenz als Roland Koch begrüßt

Der Roland steckt noch drin

Volker Bouffier

Kassel. Rund 120 nordhessische Christdemokraten stehen auf und klatschen, als Volker Bouffier am Freitagabend zur Regionalkonferenz in Kassel erscheint. Die Fehlleistung kurz danach geht auf das Konto von Peter Beuth, dem CDU-Generalsekretär. Zur Einstimmung auf den Kommunalwahlkampf begrüße man nun „unseren Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten“, sagt Beuth. Und dann rutscht heraus: „Roland Koch“.

Die Männer und Frauen in Eppo’s Clubhaus nehmen es heiter. „Das ist so, wie wenn man frisch verheiratet ist“, kommentiert Schauenburgs Bürgermeisterin Ursula Gimmler. In den ersten Wochen sei der Namenswechsel ganz präsent – doch nach drei Monaten liege plötzlich wieder der alte Name auf der Zunge. Sie rechnet kurz nach: Bouffier ist seit knapp drei Monaten Ministerpräsident.

„Etwas liberaler“

Einige Plätze neben Gimmler sitzt Hanns-Dieter Gerdum. Er ist gekommen, um den neuen Mann an der Spitze live zu erleben. Später – nach der Rede - wird er sagen, Bouffier scheine „eine etwas liberalere Linie“ einzuschlagen als der Vorgänger. Gerdum gefällt das.

Bouffier ermuntert die Partei, ihre Erfolge offensiver zu vertreten: Nordhessen habe wirtschaftlich nie so gebrummt wie jetzt. „Wir haben viel getan hier oben“, sagt er über 11 Jahre CDU-Regierungsverantwortung in Wiesbaden. „Mut zur Verantwortung“ ist das Motto der Rede. Entsprechend zeichnet Bouffier eine Union, die sich traut, schwere Themen anzupacken. Er schilt die SPD als konzeptlos und die Grünen als „neue Wohlfühlpartei“. Das kommt an.

Schuldenabbau

Zustimmung erntet Bouffier auch, als der den Schuldenabbau zum Mittelpunkt des Wahlkampfes erklärt: Mit dem Urnengang am 27. März sollen die Hessen über eine Verfassungsänderung abstimmen, die dem Land ab 2020 keine neuen Schulden erlaubt. Bouffier sagt: „Hier sitzt die reichste Generation, die jemals gelebt hat. Es ist die Generation, die die meisten Schulden gemacht hat.“ Eigentlich sei es eine Selbstverständlichkeit, nicht mehr auszugeben, als man einnimmt.

„Regeln, die hier gelten“

Viel Raum nimmt das Thema „Integration“ ein. Man könne zu Thilo Sarrazin stehen wie man wolle, sagt Bouffier. „Aber er hat ein Thema angesprochen, das Millionen Menschen bewegt.“ In seiner Heimatstadt Gießen habe heute die Hälfte der unter 60-Jährigen einen Migrationshintergrund, berichtet er und betont. „Die Menschen, die hier sind, sind willkommen. Ich will, dass sie hier eine Heimat finden.“ Die „gemeinsame Zukunft“ aber richte sich „nach den Regeln, die hier gelten“. Noch vor dem allgemeinen Applaus ruft eine Frau: „Richtig!“

Diskussionen in großer Runde gibt es im Clubhaus nicht. Der Programmpunkt „Aussprache“ beschränkt sich auf eine Frage und eine Antwort. Ganz zum Ende ist das Singen der Nationalhymne vorgesehen. Der Bundestagsabgeordnete Bernd Siebert kündigt das an – scheint aber etwas überrascht, als seine Parteifreundin Eva Kühne-Hörmann erklärt: „Wir singen das ohne Musik.“ Doch genau das tun die Christdemokraten dann – melodiesicher und ohne Versprecher von „Einigkeit“ bis „Vaterland“.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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