Sabine Heller arbeitet in den USA

Wie eine Hessin die Figuren von Ice Age zum Leben erweckt

Sisyphos-Hörnchen Scrat: Durch die präzise Arbeit von Sabine Heller wird ein virtuelles Skelett aufgebaut. Animatoren können die Trickfiguren entsprechend bewegen.

Dieburg. Sie entwirft am Computer Gelenkmodelle für Trickfiguren. Damit macht Sabine Heller (31) Kino-Karriere in den USA. Wie Figuren nach und nach entstehen und wieso die weiße Säbelzahntiger-Dame Shira zunächst keine Schulter bekommen sollte - sie weiß es.

Studiert hat sie auf dem Dieburger Hochschul-Campus. Von ihrer Arbeit an Filmen wie Rio und Ice Age 4 berichtete sie jetzt beim Media Monday in ihrer früheren Studienstadt.

„Okay, ich will nach Hollywood“, sagte sie sich mit Anfang zwanzig. „Probier ich’s halt mal.“ Das ist zehn Jahre her, da war sie noch Studentin im Fach Media-System-Design an der Darmstädter Hochschule. Sie schaffte es vom Dieburger Media-Campus als Praktikantin ins kalifornische Burbank, in eine Firma, die Computerscans für Spielzeug und Spezialeffekte erstellt. Und schon kam Hollywood zur Tür herein: Beim ersten Scan, den sie begleitete, war Eddie Murphy das Objekt der grafischen Körperabtastung. Später kam auch Johnny Depp. „Uuuh“, schallt es da aus den Reihen des Dieburger Campus-Kinos. Was Sabine Heller erlebt hat, kann sich hören lassen, die Studenten beim Media-Monday-Vortrag lauschen gespannt und fragen eifrig: Wie klappt das mit der Karriere in der großen Kinowelt?

Nach Diplom-Studium in Dieburg 2004 und Master-Studium in New York (bis 2006) arbeitet Sabine Heller seit nunmehr drei Jahren für die Blue-Sky-Studios, die großes Kino machen, auch wenn sie nicht in Hollywood sitzen, sondern in Connecticut an der Ostküste. Zu weiterer Karriere fehlt ihr nur noch die Green Card, die unbegrenzte Arbeitserlaubnis (siehe Hintergrund).

Arbeitet für große Filme: Sabine Heller (31).

An den zwei Trickfilmen Rio“ und Ice Age 4 hat die in Wiesbaden aufgewachsene Frau als Riggerin mitgewirkt: In einem Team von rund 20 Mitarbeitern sorgt sie dafür, dass die Charaktere sich über festgelegte Steuerpunkte bewegen können. Erst diese Arbeit ermöglicht es den bis zu 150 an einem Kinofilm beteiligten Animatoren, Trickfiguren zu virtuellem Leben zu erwecken.

Erst hat Heller den Ara Blu aus dem Film Rio in ein Polygonnetz gespannt, das Knochen und Gelenke rechnerisch so verbindet, dass flottes Flattern entstehen kann. „Die Animatoren konnten jede einzelne Feder bewegen“, staunt Heller noch heute. „Unglaublich!“ Zwischen den Computer-Puppenbauern und den Computerpuppenspielern herrscht ständig Austausch und oft auch Spannung, erzählt Heller. Da gebe es immer wieder Funktionen, die sie beim Programmieren gar nicht voll erfasst habe.

Bei ihrer zweiten Kinofigur, der weißen Säbelzahntiger-Dame Shira aus dem Film Ice Age 4, bekam Heller dann Ärger mit den Regisseuren: „Die hat ja keine Schulter!“ Das kam nicht so gut an, im fertigen Film zeigt Shira jetzt unterm Kopf mehr Kante. Wenn’s Kritik gibt, dann ganz professionell. „Das ist sehr höflich, sehr entspannt. Da wird man nicht angebrüllt.“

Das Stichwort: Greencard

Als Green Card (Abkürzung: GC) wird umgangssprachlich eine zeitlich unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung für die Vereinigten Staaten bezeichnet. Die offizielle Bezeichnung lautet United States Permanent Resident Card. Aussteller ist die Behörde United States Citizenship and Immigration Services.

Entgegen ihrer Bezeichnung ist die Karte allerdings nicht grün, sondern sandfarben und besitzt nur einen grünen Schimmer. Bis 1994 war sie vorübergehend rosa. Inhaber haben das Recht, Grundbesitz zu erwerben, öffentliche Schulen und Colleges zu besuchen, eine Feuerwaffe zu besitzen (abhängig von den jeweiligen lokalen Gesetzen) und eine Rentenversicherung sowie unter Bedingungen Einkommenszuschüsse zu beanspruchen.

Green-Card-Inhaber, die sich für mehr als ein Jahr außerhalb der Vereinigten Staaten aufhalten möchten, benötigen dafür eine spezielle Genehmigung. (kle)

Von Stefan Benz

Quelle: HNA

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