Kuriose Ausreden von Verkehrssündern - Raser bleiben auf Platz eins der Bußgeldstatistik

Verkehrssünder sind um Ausreden nicht verlegen: „Schilder nachts unbeleuchtet“

Knöllchen

Kassel. Wer zu schnell fährt, falsch parkt oder gar einen Unfall verursacht, ist oft um Ausreden nicht verlegen. Die meisten Verkehrssünder zahlen ihre Strafe zwar kommentarlos.

Die Zentrale Bußgeldstelle beim Regierungspräsidium in Kassel weiß aber auch ein Lied von seltsamen Erklärungen für ein Fehlverhalten zu singen. So versuchte sich ein Unfallfahrer mit den Worten zu rechtfertigen: "Außerdem bin ich vor meinem ersten Unfall und nach meinem letzten unfallfrei gefahren." Ein anderer Fahrer erhob Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid mit der Begründung, die Verkehrsschilder seien nachts nicht beleuchtet gewesen. "Sie tauchten aus dem Dunkel auf, um sofort wieder zu verschwinden. Zu wenig Zeit, um sie zu erkennen, zu verarbeiten und zu reagieren", hieß es in einem Schreiben.

Manchmal hat es auch die Polizei gut: "Die Polizisten, die den Unfall aufnahmen, bekamen von der Braut alles gezeigt, was sie sehen wollten."

60-mal falsch geparkt

Über solche Äußerungen wird auch in der Bußgeldstelle geschmunzelt. Weniger lustig ist, dass einige Kunden Verwarnungen und Zahlungsaufforderungen ignorieren und selbst den Gerichtsvollzieher vor der Tür stehen lassen. Diese Ignoranz, so schätzt es die Behörde ein, sei nicht immer Nachlässigkeit, sondern oft auch Methode. Die Bußgeldstelle spürt solchen Fällen gezielt nach.

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Einer Autofahrerin wurde der Führerschein entzogen, nachdem sie mehr als 60-mal falsch geparkt und alle Kostenbescheide unbeantwortet gelassen hatte. Gegen einen anderen Pkw-Halter wurden 73 Verfahren eingeleitet. Er hatte sich geweigert, die Fahrer zu benennen, die sein Auto falsch geparkt hatten und alle Kostenbescheide ignoriert. Ihm wurde ein Fahrtenbuch auferlegt, mit dem kontrolliert werden kann, wer das Auto wann fuhr.

In Hessen gibt es nach Angaben des stellvertretenden Dezernatsleiters Bernhard Steinbach einen harten Kern unbelehrbarer Mehrfachtäter. Gegen 2000 bis 3000 Menschen seien im Jahr 2009 mehr als zehn Verfahren anhängig gewesen. Insgesamt ist die Zahl der Verkehrsverstöße im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Dennoch nahm das Land mit 54,2 Millionen Euro so viel Geld ein wie nie (2008: 46,0 Millionen Euro).

Das liegt nach Einschätzung von Dezernatsleiterin Gabriele Dombois an den erhöhten Bußgeldern. Diese hätten viele Fahrer beeindruckt und diszipliniert. Vor allem Tempoverstöße seien zurückgegangen, auch wenn sie mit 782 000 (2008: 833 000) noch immer an der Spitze liegen.

Von Peter Klebe

Hintergrund

87 Prozent der Verstöße mit dem Pkw Die weitaus meisten Verkehrsverstöße in Hessen wurden mit satten 87 Prozent mit dem Pkw begangen. Lkw waren nur mit drei Prozent beteiligt. Der Anteil der Motorradfahrer lag mit 4203 bei 0,3 Prozent. 979 Verfahren wurden gegen Fahrradfahrer eingeleitet, 161 gegen Fußgänger. Mit 62 Prozent die meisten Verkehrssünden registrierte die Bußgeldstelle beim RP Kassel, die für ganz Hessen zuständig ist, im geringfügigen Bereich mit einer Geldbuße bis 35 Euro. In exakten Zahlen waren das 759 857 (2008: 820 374). 245 000 davon wurden zunächst von den örtlichen Ordnungsbehörden bearbeitet. Sie wurden an die Bußgeldstelle weitergegeben, nachdem Verwarnungen erfolglos waren. Schwere Verkehrsverstöße (Buße über 40 Euro) gab es 466 988-mal (2008: 442 971). (kle)

Quelle: HNA

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