Schmerzensgeldprozess: Kindermörder Gäfgen schildert seine Ängste

Frankfurt. Unter großem Medien- und Zuschauerinteresse hat am Donnerstagvormittag die mündliche Verhandlung im Schmerzensgeldprozess begonnen, den der Kindermörder Magnus Gäfgen (35) gegen das Land Hessen führt.

Während der Verhandlung hat der frühere Frankfurter Polizeipräsident Wolfgang Daschner erstmals ausgesagt, er habe sich bei der Entscheidung, Gäfgen „unmittelbaren Zwang“ in Form von Schmerzen anzudrohen, mit Norbert Nedela abgestimmt. Nedela war damals Chef des Landeskriminalamtes und wurde später Landespolizeipräsident in Hessen. Als solcher wurde er wegen Kritik an seiner Führung im Herbst 2010 von Hessens neuem Innenminister Boris Rhein entlassen.

Daschner betonte, er habe weder mit dem damaligen Minister und heutigen Regierungschef Volker Bouffier noch mit dem damaligen Staatssekretär Udo Corts (beide CDU) Kontakt gehabt.

Gäfgen hatte im September 2002 den damals elfjährigen Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und ermordet. Zugleich hatte er eine Million Euro Lösegeld kassiert.

Gäfgen will 10.000 Euro Schmerzensgeld vom Land, weil ihm nach seiner Verhaftung am 30. September 2002 während einer Vernehmung am folgenden Tag Schmerzen angedroht worden waren. Er sei dadurch traumatisiert worden. Die Polizei hatte zu diesem Zeitpunkt noch geglaubt, Jakob von Metzler sei noch am Leben. Sie hatte keinen Zweifel daran, dass Gäfgen der Entführer war, da bei ihm auch Lösegeld gefunden worden war.

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Zur Frage der Traumatisierung soll ein Gutachter gehört werden. Zum Prozessauftakt schilderte Gäfgen, der in der JVA Schwalmstadt eine lebenslange Freiheitsstrafe absitzt, noch einmal seine Verhaftung am Frankfurter Flughafen und die Vernehmungen. Wie schon im Prozess selbst verhielt sich der 35-Jährige auch am Donnerstag äußerst distanziert gegenüber der eigentlichen Tat, schilderte vielmehr sehr detailgetreu, was ihm selbst bei der Polizei widerfahren sei und welche Ängste er gehabt habe.

Auch wenn es für viele der zumeist älteren Zuschauer schwer erträglich ist, geht es in diesem Prozess jedoch genau darum, wie Gäfgen bedroht wurde. Der Polizeibeamte, der ihn bedroht haben soll und der am Nachmittag als Zeuge vernommen wird, wurde ebenso wie der damalige Frankfurter Vizepräsident Wolfgang Daschner, der die Androhung von Schmerzen angeordnet hatte, 2005 deswegen verurteilt.

Dass es sich bei diesen Drohungen um ein „unmenschliches Verhalten“ und einen Verstoß gegen das Folterverbot der UN-Menschenrechtskonvention handelte, hat inzwischen auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte festgestellt. Allerdings hatte das Straßburger Gericht auch geurteilt, dass der Prozess gegen Gaefgen fair gewesen sei, da das erste Geständnis nicht gewertet worden sei, sondern nur ein zweites während des Prozesses. Gleichwohl klagt Gäfgen auf Wiederaufnahme des Prozesses, der Antrag wird vom Landgericht Darmstadt zurzeit geprüft.

Am späteren Nachmittag soll auch noch Wolfgang Daschner als Zeuge vernommen werden. Der Polizeibeamte, der sein Verhalten damals selbst in den Akten dokumentiert hat, hatte damals angegeben, er habe sich im damals von Volker Bouffier (CDU) geführten Innenministerium rückversichert. Allerdings hatte er nie gesagt, mit wem er konkret darüber gesprochen hatte. (wet)

Quelle: HNA

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